Nächst dem Reisbau kommt für die Einheimischen Gartenbau in Betracht (Zimmt, Palmen, Fruchtbäume, Tabak, Baumwolle, Zuckerrohr), sowie ein wenig Viehzucht auf den natürlichen Weiden der Hochebenen.

Sehr zahlreich sind die Halteplätze, über ein Dutzend. Der Zug braucht 5½ Stunden für die 75 englischen Meilen oder 120 Kilometer; macht also etwa 22 Kilometer in der Stunde.

Natürlich bezieht die Bahn ihre Einkünfte nicht von den wenigen Vergnügungsreisenden, Theepflanzern und englischen Beamten, sondern von den zahlreichen Eingeborenen. Für die letzteren sind aber auch die kleineren Ortschaften Ausgang oder Ende der Fahrt.

Auf jedem Halteplatz ist lebhafter Verkehr. Den Einheimischen eröffnet der „fliegende Händler“, ein Knabe mit gefülltem Palmfasersack, eine frische Kokosnuss mit seinem Sichelmesser für eine kleine Münze. Für uns ist ein Erfrischungswagen eingeschoben, in dem ein vollständiges Frühstück zu einem festen und mässigen Preise und von mässiger Güte, nebst einem Fläschchen Bier, verabfolgt wird.

Nunmehr erscheinen auch Hügel von gesättigtem Grün, in der Ferne die Landmarke Ceylon’s, der Adams-Pik, den ich zu Colombo nur des Morgens vorübergehend zu Gesicht bekommen, ehe die Nebel um ihn sich zusammenballten. 50 englische Meilen von Colombo beginnt die Bahn zu steigen und an dem Allegalla-Berge emporzuklimmen. Man sieht erbärmliche Hütten in herrlichster Umgebung und ausgedehnte Theepflanzungen an den Abhängen der Berge. Während wir merklich steigen, vorn von einer Locomotive gezogen, hinten von einer zweiten geschoben, bleibt prachtvollster und üppigster Pflanzenwuchs sichtbar: fruchtbare Thäler in der Tiefe der Schluchten, blassgrüne Reisfelder, die stufenförmig abfallen, Theepflanzungen auf mittlerer Höhe, und Palmen, Bananen, immergrüne Eichen dicht neben uns, in 1700 Fuss Erhebung über dem Meeres-Spiegel, hier und da auch dichtester Buschwald (Dschungel) mit schäumenden Wasserfällen, während in der Ferne ganz stattliche Felsen mit breiter Kuppe (Temple rock) oder mit zackigen Gipfeln bis 5000 Fuss empor starren.

Tief unter uns zieht die ursprüngliche Fahrstrasse, welche früher den Verkehr beherrschte, jetzt aber von der Eisenbahn überholt ist: ein Anblick, den man auch in der Schweiz an vielen Stellen und im Felsengebirge von Canada geniesst.

Kurz vor Kandy werden einige Tunnels durchfahren, dann gelangt der Zug an einen ganz steilen Abhang, wo der Blick über 1000 Fuss nach unten schweift, ohne einen Halt zu entdecken. Sensationrock heisst diese Stelle, wohl nach amerikanischen Mustern.

Um 1 Uhr 15 Minuten bin ich in Kandy angelangt, werde von einem eifrigen „Führer“ sofort in den Hotelwagen gebracht, verlasse denselben aber wieder, da das mitreisende englische Paar zu viel Platz und zu viel Wartezeit für ihre Koffer beansprucht, nehme mir einen der Einspänner, die zahlreich vorhanden sind, und fahre nach Queen’s Hotel, das, schön gelegen dicht bei dem grossen See und dem Buddha-Tempel, mir ein schattiges Zimmer und gutes Mittagsessen bietet, sowie eine gedeckte Veranda zum Ausruhen während der heissen Tageszeit.

Kandy, der Herrschersitz des letzten einheimischen Königs, der erst 1815 von den Engländern entthront worden, ist eigentlich, wie die meisten Orte auf Ceylon, eher ein Dorf[343] oder eine Gruppe von drei Dörfern, mit 22000 Einwohnern. Sehenswürdigkeiten sind: 1) der Buddha-Tempel, 2) der künstliche See, 3) die neuen Spazierwege über die Berge, 4) das Volksleben auf dem Markt, 5) der botanische Garten zu Peradenia.