Kandy wurde im Beginn des 15. Jahrhunderts n. Chr. von den singhalesischen Fürsten, die vor den siegreichen Tamilen nach Süden zurückweichen mussten, in dem scheinbar sicheren Schutz der Hügel gegründet, um Kronschätze und kostbare Reliquien zu bergen, und gegen Ende des 16. Jahrhunderts zur Hauptstadt des Königreiches erhoben.

1586 vertrieb Raja Singha, einer der Kleinfürsten, den König von Kandy, der zu den Portugiesen nach Colombo floh und ebenso, wie seine Tochter, (als Don Philip und Donna Catharina) das Christenthum annahm. Die Grausamkeiten, welche die Portugiesen verübten, während sie 1586 in Colombo von Singha belagert wurden und als sie 1596 Kandy für ihren Schützling Catharina zurück eroberten, spotten jeder Beschreibung. Die Soldaten hackten Frauen und Kindern die Arme ab, um rascher in den Besitz der Armbänder und Ringe zu kommen; Mütter wurden erst gezwungen, eigenhändig ihre Kinder zwischen Mühlsteine zu werfen oder in Getreidemörsern zu zerstampfen,[344] und danach geköpft; Kinder der Gallas-Stämme wurden auf Speerspitzen gestochen, damit man höre, wie die jungen Hähne (Gallos) krähen; Männer wurden von der Brücke bei Malwané hinabgestossen, damit man sähe, wie die Krokodile sie verschlingen.

Diese Nachrichten sind nicht etwa blos von den Singhalesen an die Holländer überliefert, sondern auch von Portugiesen, nach amtlichen Schriftstücken, mitgetheilt worden. Aber, obwohl es den Portugiesen gelang, ganz Ceylon, ausser dem Königreich von Kandy, in ihre Gewalt zu bringen und 1617 sogar Jafna an der Nordspitze der Insel zu erobern und den letzten Fürsten der Malabar-Dynastie zu enthaupten, — schon 1604 erschienen die Holländer, da ihnen durch Philipp II. von Spanien der Handel mit „seinem“ Portugal verboten worden, selbständig in Ceylon, schlossen ein Bündniss mit dem König von Kandy, begannen 1638 und beendigten 1658 die Vertreibung der Portugiesen. Die Herrschaft der Holländer war nicht befleckt durch Grausamkeit gegen die Singhalesen. Sie suchten Frieden mit Kandy um jeden Preis, um das „köstliche Juwel der Compagnie“ zu erhalten und ihren einträglichen Alleinhandel (in Zimmt, Areca u. A.) zu pflegen und rücksichtslos auszubeuten.

Für die Eingeborenen thaten sie nicht viel, aber doch etwas, soweit es zu ihrem eignen Vortheil war: sie gründeten Schulen und protestantische Kirchen, schufen ein Gesetzbuch und begünstigten den Ackerbau. Zu kämpfen hatten sie 1626 mit einem aufrührerischen Gouverneur, 1672 mit den Franzosen, 1766 mit den Eingeborenen, da ein malabarischer Prinz auf den Thron von Kandy gelangt war. Das „Juwel“ brachte keine Einnahmen mehr, sondern nur Ausgaben, wie eine holländische Tulpe; und als 1796 die britischen Truppen vor Colombo erschienen, erfolgte die Uebergabe ohne Kampf, da die Holländer ebenso gleichgiltig gegen die Behauptung waren, wie die Singhalesen erfreut über den Besitzwechsel.

Holland war derzeit von der französischen Republik überwältigt, der holländische Gouverneur auf Ceylon ein Verräther.

Die englische Verwaltung der Insel seitens der ostindischen Gesellschaft war zunächst so gewaltsam und erpressend, dass 1797 ein blutiger Aufstand erfolgte, und die Krone das Regiment übernahm. Aber der englische Gouverneur, Herr F. North, Earl of Guilford, nahm thätigen Antheil an einer Verschwörung des verrätherischen Ministers Pitamé Talawé zu Kandy gegen seinen jungen König Singha; und, als ein Vorwand sich dargeboten, wurde Kandy besetzt, ein Taugenichts und bestrafter Betrüger auf den Thron gehoben, und natürlich eine englische Besatzung zu seinem Schutz dort gelassen. Doch nun verrieth der Verräther Pitamé seinen Helfershelfer und liess 1803 die Engländer sowie den Schatten-König ermorden.

Die ganze Insel gerieth in Empörung. Kaum vermochten die Engländer Colombo zu behaupten. Wegen des Krieges mit Frankreich konnten Verstärkungen aus Europa nicht gesendet werden. Die Rache blieb aufgeschoben.

Inzwischen entwickelte sich König Singha zu einem blutgierigen Tyrannen; 1812 liess er, wegen Verrätherei, Pitamé Talawé enthaupten und 1814 wüthete er auf das grausamste gegen die Familie von dessen Neffen und Nachfolger, da auch dieser eine Verschwörung, wieder unter Mitwissenschaft des englischen Gouverneurs, angezettelt. Als der König einigen einheimischen Kaufleuten, die glücklicherweise britische Unterthanen waren, Nasen, Ohren und Hände abhacken liess; hatte man eine Handhabe, um 1815 den Krieg zu erklären und Kandy zu nehmen.

In der Audienzhalle des Königspalastes wurde von den Häuptlingen das Königreich an die britische Krone übertragen, unter der Bedingung, dass die heimische Religion geschützt, Gerechtigkeit unparteiisch geübt und — ihre eignen Vorrechte aufrecht erhalten würden. Doch erfolgte bereits 1817 ein blutiger Aufstand und langdauernder Kleinkrieg, so dass die Engländer schon daran dachten, das Bergland aufzugeben und an die Küste sich zurückzuziehen. Aber, nachdem die Kandyer 10000 Menschen eingebüsst, machten sie Frieden. Eine Militärstrasse in das Herz der Berge bis zur Höhe von 6000 Fuss sicherte die Eroberung (1820). Seitdem herrscht Frieden im Lande.