Man kann es den Engländern nicht verargen, wenn sie die Fortschritte rühmen, die Ceylon in den letzten Jahren gemacht.
| Jahr | Bevölkerung |
Einkommen der Colonie £ |
Bebautes Land Acres |
Handel £ |
Tonnengehalt der Schifffahrt |
Reg.-Ausgabe für Erziehung £ |
Reg.-Ausgabe für Gesundheit £ |
Armen- unterstützung £ |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1815 | 750000 | 226000 | 400000 | 546000 | 75000 | 3000 | 1000 | 3000[346] |
| 1888 | 2800000 | 1540000 | — | 9800000 | 4500000 | 46000 | 60000 | — |
| 1893 | 3000000 | 1300000 | 4850000[345] | 9200000 | 5700000 | 50000 | 50000 | 8000 |
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(Ausgabe desgl.) |
Gewiss, diese Zahlen führen eine beredte Sprache und zeugen von anerkennenswerthen Ergebnissen. Aber die drei letzten Posten fordern die Kritik heraus, sie sind auch heute noch zu gering.
Nur ein Viertel der Kinder wird unterrichtet. Früher hatte jeder Buddha-Tempel seine Schule.
Bezirkskrankenhäuser habe ich im Innern der Insel gesehen, die einen ganz guten Eindruck machen; aber die darauf verwendeten Mittel sind unzureichend. (Es giebt 200 Krankenhäuser, einschliesslich der Arzneivertheilungsstätten; die Zahl der jährlich behandelten Kranken beträgt 200000, aber zwei Drittheile davon sind unbedeutende Fälle; es giebt 170 Colonial-Aerzte, einschliesslich der Assistenten, Impfärzte u. dergl. Seit 1870 besteht auch eine Medicin-Schule, die 90 Singhalesen das Recht zur Praxis ertheilt hat.)
Ein Wundarzt der Regierung, der aufopferungsvoll fast 25 Jahre im Innern gewirkt (bei jetzt 500 £ Gehalt, von dem er die Hälfte braucht, um seine Kinder in England[347] zu erziehen), sagte mir, dass er den Star nicht operiren könne, da ihm dazu weder Instrumente noch Arzneien geliefert werden.
Gerechtigkeit wird wohl geübt, aber mehr, um die englischen Pflanzer zu schützen, als um die Singhalesen zu versöhnen. Die milde Haus-Sklaverei, die auf der Insel bestand, ist seit 1844 abgeschafft. Aber die englischen Beamten, welche von dem Volk bezahlt werden, schliessen jeden Einheimischen aus ihren Clubs aus. Und dabei spotten sie über Kasten-Vorurtheile, die übrigens im buddhistischen Ceylon nie so ausgeprägt waren, wie im brahmanischen Indien. Ich war im Polizeigericht zu Kandy. Zuvorkommend gab man mir einen Platz am Tisch der Anwälte. Hoch über uns thronte der englische Richter, ein schöner Jüngling mit glatt rasirtem Gesicht, müden Mienen und leiser Flüstersprache, — wie ein junger Proconsul. Ein Dolmetsch stand ihm zur Seite, denn auf Ceylon gilt nicht, wie im Kaiserreich Indien, die Landessprache der Eingeborenen.[348] Eine verzweifelt weinende Frau wurde von dem Polizisten herbeigeführt. Einem Pflanzer waren zwanzig Kokosnüsse gestohlen, die Frau in der Nähe des Thatortes von einem Polizisten beobachtet worden. Trotz ihres Leugnens wurde sie von dem Richter, der dabei kaum den Mund und die Augen öffnete, zu 10 Rupien Geldstrafe oder 3 Monaten Gefängniss verurtheilt. Ich fragte den neben mir sitzenden singhalesischen Anwalt, ob er von der Schuld der Angeklagten überzeugt sei. „Keineswegs“, erwiderte er, „aber die Pflanzer sollen geschützt werden.“ — „Kann sie nicht Berufung anmelden?“ fragte ich. — „Oh nein, dann müsste sie 50 Rupien Gerichtskosten hinterlegen und für 150 Rupien einen Anwalt am Obergericht zu Colombo annehmen. So viel Geld hat ihr ganzes Dorf nicht.“
Der Mann war sehr betroffen, als ich ihm von dem deutschen Armenrecht auf kostenlose Vertheidigung erzählte.
Die gebildeten Singhalesen bevorzugen das Studium des Rechts. Einzelne haben es bis zum Oberrichter gebracht. Die Processsucht der Singhalesen ist sprichwörtlich. Die Zahl der Strafgefangenen beträgt 2500, die meisten sitzen für kleine Vergehen. Die Zahl aller Bestrafungen im Jahre 1891 war 20000. (Nicht 1 Procent betraf Frauen.) Ein Straf-Gesetzbuch, nach dem für Indien, ist 1885 eingeführt, ein bürgerliches in Bearbeitung.