Ein Armen-Gesetz giebt es nicht auf Ceylon. Vielleicht ist es in diesem glücklichen Klima nicht nöthig. Sir Edward Creasy sah in London an einem Wintertage mehr Elend, als in Ceylon während eines neunjährigen Aufenthaltes.


Ceylon ist, als die Buddha-Lehre von den Brahmanen aus dem Festland von Indien ausgetrieben worden, die zweite Heimath dieser verbreitetsten Religion des Erdballs geworden. Birma, Siam und sogar China blicken mit Verehrung auf Ceylon; Birma, Siam und Cambodja senden alljährlich Gesandtschaften mit Geschenken zu dem heiligen Tempel von Kandy.

Als Buddha bezeichnen diese Ostasiaten solche Wesen, welche nach zahllosen Seelenwanderungen den höchsten Grad von Reinheit erlangt haben. Ihre Vorschriften sind bana, das Wort; ihre Lehre dharma, die Wahrheit. Nach ihrem Tode gehen sie nicht in eine neue Lebensform über, sondern ein in das Nirwana, einen Zustand seliger Unbewusstheit, welchen die Buddhisten als die Vollendung ewiger Glückseligkeit ansehen. Buddhismus ist Tugendlehre ohne Gottheit.

24 Buddha waren vor Gautama, welcher der vierte in der jetzigen Kalpa oder Periode ist, und dessen Lehre 5000 Jahre dauern soll, bis ein neuer Buddha erscheinen wird.

Shaka Gautama Buddha, der 624 v. Chr. zu Kapilavastu (an der Grenze von Nepaul) geboren ward, 588 v. Chr. unter einem Bo-Baume im Walde von Urawela, dem jetzigen Buddha Gaya, die Vollendung erreichte, soll, bevor er im Alter von 80 Jahren verstorben ist, nicht weniger als drei Mal die Insel Ceylon besucht haben. Der heilige Fussabdruck auf dem Adams-Pik wird noch heute von seinen Anhängern als das Wunderzeugniss seines letzten Abschieds verehrt.

Aber der Masse des ceylonischen Volkes war seine Lehre fremd, als an seinem Todestage, 543 v. Chr., Wijayo, der Sohn eines Kleinfürsten aus dem Gangesthal, mit einer Hand voll Begleiter auf Ceylon landete und, nachdem er die Tochter[349] eines einheimischen Häuptlings geheirathet, zum König der Insel sich erhob und eine Dynastie begründete. Die Einwohner der Insel werden in der alten Chronik der Singhalesen (Mahawanso) als Yakkho oder Dämonen und als Naga oder Schlangen (Schlangen-Anbeter) beschrieben.

Wijayo zog Kaufleute in das Land und beförderte den Ackerbau. Er nannte die Insel Sihala (Singhala, Löwensitz) nach seinem Grossvater Singha. Dörfer wurden abgegrenzt, das Land in Felder und Gärten getheilt und, nach der Chronik, schon 504 v. Chr. der grosse Teich zur Bewässerung der Reisfelder in der Nähe der neuen Hauptstadt Anuradhapura angelegt. Aber erst 307 v. Chr. unter der Regierung des Königs Tissa, wie Mahawanso mit dichterischer Begeisterung erzählt, kam Malindo, Sohn des Königs Asoka von Magadha am Ganges, mit seiner Schwester Sanghamitta nach Ceylon und bekehrte das ganze Volk und den Fürsten zu der heiligen Lehre des Buddha und wurde „die Leuchte, von der das Licht des Glaubens über das Land sich verbreitete.“ Tissa erbat vom König Asoka einen Zweig des heiligen Bo-Baumes, unter dem Gautama Buddha die Vollendung gewonnen. Natürlich durfte der heilige Baum nicht verletzt werden; der Zweig löste sich von selber ab und stieg wurzelnd in das goldne Gefäss mit duftender Erde, ward nach Ceylon gebracht und im 18. Jahr der Regierung des Königs Devenipiatissa, d. h. 288 v. Chr., zu Anuradhapura eingepflanzt, wo er heute noch blüht und von allen Buddha-Gläubigen verehrt wird.

Erst von dieser Zeit rühren die ältesten Bauwerke her, deren Reste bis auf unsre Tage gekommen sind: