1) Dagoba oder Reliquien-Schreine. (Von datu Reliquie, gobhan Schrein.) Das sind solide, ganz verschlossene und verputzte Ziegelbauten von Glockenform, mit einem Aufsatz. Es giebt kleinere und grössere; einige sind so gross, dass sie mit den Pyramiden von Gizeh verglichen werden können. Im Innern bargen sie in einer kleinen Höhle das kostbare Gefäss mit dem Haar oder Knochen von Gautama.
2) Wihara oder Klöster für die Priester.
3) Chaitya oder Tempel, meist mit den Klöstern verbunden. In dem dunklen Hintergrund der Halle sitzt Gautama in lehrender Haltung oder er liegt in seliger Nirwana.
Aber ich eile zu der Geschichte des heiligen Zahnes. (Dhata datu zuerst, und jetzt dalada genannt.) Nachdem man Gautama’s sterbliche Reste zu Kusinara verbrannt, wurde sein aus den Flammen geretteter linker Hundszahn nach Dantapura,[350] der Hauptstadt von Kalinga, gebracht und blieb dort 800 Jahre. Im Jahre 311 n. Chr. sandte der in einen zweifelhaften Kampf verwickelte König von Kalinga den heiligen Zahn nach Ceylon. Eine Prinzessin barg ihn in ihrem Haupthaar und überbrachte ihn persönlich. Grosse Feste wurden in Ceylon gefeiert, deren Schilderung sowohl in Mahawanso erhalten ist als auch in dem Reisebericht des Chinesen Fa-Hian, der kurze Zeit darauf nach Ceylon gepilgert.
Zwischen 1303 und 1315 n. Chr. wurde der Zahn nach Süd-Indien zurückgebracht durch einen Heerführer, welcher Ceylon überfiel und die damalige Hauptstadt Yapahoo plünderte. Aber der nächste König von Ceylon reiste persönlich nach Madura und löste das Kleinod wieder ein, das mit anderen Kronschätzen nach der in den sicheren Bergen neu gegründeten Stadt Kandy geschafft wurde, in den Tempel Maligáwa, den heiligsten der buddhistischen Welt.
Im Jahre 1560 fiel der Zahn mit andern Kostbarkeiten in die Hände der Portugiesen, bei der Eroberung von Jafna, wohin die Schätze wegen der Unruhen im Süden der Insel gebracht worden waren. Der Zahn war in Gold gefasst und nach der (wohl irrthümlichen) Ansicht der Portugiesen der eines Affen. Der König von Pegu, welcher gewohnt war, alljährlich dem Tempel des heiligen Zahnes durch eine Gesandtschaft und durch Geschenke seine Ehrfurcht zu erweisen, sandte sofort nach Goa und bot für die Reliquie 400000 Cruzados. Die Officiere wollten gern das Anerbieten annehmen, aber der Erzbischof mit der Inquisition und der Geistlichkeit widersetzte sich auf das heftigste, zerstampfte den Zahn, verbrannte das Pulver zu Asche und zerstreute diese über die See. Alle Anwesenden klatschten Beifall; gewaltig war aber der Aerger der Portugiesen, als bald danach (1566) zwei heilige Zähne an Stelle des einen auftauchten, der eine in Pegu, der andere in Kandy. Jeder von beiden wurde für den echten erklärt, die Portugiesen hätten einen nachgemachten erhalten. Der jetzt in Kandy verehrte ist offenbar 1566 angefertigt, ein Stück vergilbten Elfenbeins von 2 Zoll Länge und fast einem Zoll Dicke und ähnelt in der Gestalt mehr dem Zahn eines Krokodils, als dem eines Menschen. Aber manche Hindu-Götter (Wischnu und Kali), mit denen die Kandyer unter ihren früheren Königen bekannt geworden, werden mit derartig hervorragenden Zähnen dargestellt.
In dieser asiatischen Geschichte können wir Europäer uns spiegeln.
1815 wurde der Zahn wieder dem Tempel von Kandy überwiesen; und da die Aufständischen darnach trachteten, sich seiner zu bemächtigen, 1818–1847 von der Colonialregierung überwacht, dann auf Befehl der englischen Regierung den Priestern überliefert.