Uebrigens sah ich am nächsten Tage auf der Strasse einen mächtigen Elephanten, der einen gewaltigen Balken spielend zog, wie ein Kind seinen Puppenwagen.
Der schönste Ausflug von Kandy geht nach Peradenia. Eine Zweiglinie der Eisenbahn führt dorthin; aber es gehört die ganze Thorheit und unangebrachte Sparsamkeit eines „Wegweisers für Reise-Gesellschaften“ dazu, um sie für den Besuch des Gartens zu empfehlen, der meilenweit sich erstreckt und hier, in den Tropen, nicht zu Fuss, sondern nur im Wagen besichtigt werden kann. Ich fahre also in meinem Einspänner des Morgens früh südwärts die schöne Strasse, welche eigentlich eine zusammenhängende Vorstadt bildet. Jedes der niedrigen, vorn mit Holzsäulen und Schattendach versehenen Häuschen besitzt einen hübschen Garten mit Palmen und Brotfruchtbäumen. Gruppen von Eingeborenen kommen mir entgegen, die den Markt von Kandy mit frischen Früchten und Lebensmitteln versorgen.
Pira-deniya, nahe dem Mahaweli Ganga, wurde 1371 n. Chr. zum Herrschersitz des Königs Wikram Bahu III. erkoren; doch ist keine Spur von dessen Bauten geblieben. Auch von den Zuckerrohrpflanzungen, welche, nach dem Vorgang der Holländer, hierselbst im ersten Drittel unsres Jahrhunderts von den Engländern angelegt wurden, ist nicht viel mehr zu sehen, da sie nicht recht einschlugen; das Rohr wuchs zwar reichlich, blieb aber wässrig und zuckerarm. Wohl aber liegt hier eine grosse Thee-Factorei, die ich, nach mürrischer Gewährung seitens des Besitzers, eines alten, dürren, einsilbigen Schotten, in Augenschein nahm.
Allerdings gestehe ich gern, dass die Maschinen zum Trocknen und Sichten der würzigen Blätter mehr Zutrauen einflössen, als die Handarbeit, die ich in Japan gesehen, woselbst zu den unter freiem Himmel auf dem Boden zum Trocknen ausgebreiteten Theeblättern Hühner und andre Vögel unbehinderten Zutritt hatten.
An der Einfahrt zum botanischen Garten von Peradenia empfing mich freundlichst ein singhalesischer Gehilfe des abwesenden Leiters, Herrn Dr. Trimen; nahm in meinem Wagen Platz, zeigte die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, indem wir hier und da ausstiegen und eine Strecke zu Fuss gingen, und erklärte mir in verständlichem Englisch die Wunder der Pflanzenwelt.
Gleich am Eingang ist ein herrlicher Gang von indischen Gummi-Bäumen (Ficus elastica), die bis 100 Fuss in die Lüfte sich erheben und gewaltige Kronen von 50–60 Fuss Durchmesser ausbreiten, während ihre mächtigen Wurzeln ebensoweit, wie der Stamm emporsteigt, schlangengleich über den Erdboden fortkriechen, hier und da durch eine säulenartige, natürliche Stütze mit den niedrigeren Zweigen verbunden.
Gleich darauf folgt eine wunderbare Gruppe von Palmen, die kaum ihres Gleichen findet an Schönheit und Mannigfaltigkeit. Alle auf der Insel einheimischen Palmenarten sind hier vereinigt. (Uebrigens sind es doch nur 12 von den 600 Palmen-Arten, welche der Wissenschaft um die Mitte unsres Jahrhunderts bekannt waren; jetzt ist die Gesammtzahl auf nahezu 1000 gestiegen.)
1) Da ist die schlanke Kokospalme (Cocos nucifera), deren walzenförmiger, nur 2 Fuss dicker Stamm in anmuthiger Biegung bis 100 Fuss hoch in die Luft steigt, gekrönt mit einem Büschel von 18–20 Fuss langen Fiederblättern, unter deren Ansatz ein dichtgedrängter Haufen von Kokos-Nüssen in allen Stufen des Wachsthums und der Reife prangt.
2) Die kerzengrade und dünne Areca-Palme (Areca catechu), die bis über 40 und 50 Fuss emporsteigt, mit einem Büschel abgestutzter Fiederblätter, — ein Pfeil vom Himmel geschossen, nach dem Wort der Hindu-Dichter.
3) Die Fächer- oder Palmyra[354]-Palme (Borassus flabelliformis) wird bis 90 Fuss hoch und 2 Fuss dick und hat eine prachtvolle Krone bis 9 Fuss langer, fächerförmiger Blätter.