Für uns Deutsche ist es besonders nützlich zu beherzigen, wieviel Weisheit seitens der Regierung, und wieviel Untemehmungskraft und Geldaufwendung seitens der Bürger zusammenkommen mussten, um solche Erfolge zu zeitigen.

Die ersten Pioniere, hauptsächlich hartköpfige Schotten, lebten in Blockhäusern inmitten der pfadlosen Wildniss; bald aber entstanden behagliche Bungalow und fahrbare Strassen; die wilden Elephanten und Leoparden wichen in’s Innere der Waldgegend zurück. Im Jahre 1837 betrug die Ausfuhr an Kaffe aus Ceylon 30000 Centner. Dann wurde das „westindische System“ von Robert Boyd Tytler, dem „Vater der Kaffe-Pflanzer“, eingeführt und 1845 die Ausfuhr bis auf 200000 Centner gesteigert. In diesem Jahre erreichte die Kaffe-Begeisterung den Gipfel. Ehemalige Gouverneure sowie noch thätige Richter, Geistliche, Beamte, nicht bloss aus Ceylon, sondern auch aus Ostindien, englische Capitalisten, — Alles kaufte Kronland und barg Gold in den Boden mit derselben Wuth, mit der man es aus dem Boden drei Jahre später in Californien herauszuscharren suchte. Angeblich 100 Millionen Mark wurden in wenigen Jahren aufgewendet und — grossentheils verloren.

Plötzlich kam die Geld-Knappheit von 1845 in England, ferner die Aufhebung des Schutzzolles gegen Java und Brasilien. Eine unglaubliche Bestürzung folgte. Land wurde zu einem Zwanzigstel des Erwerbspreises wieder angeboten; ja ein Zehntel aller Pflanzungen, da sie nicht behauptet werden konnten und unverkäuflich blieben, ganz verlassen und der wieder vordringenden Ueberwaldung preisgegeben.

Allmählich trat Gesundung der Verhältnisse ein.[369] Man lernte den Boden auszuwählen, sparsam und ordentlich zu wirthschaften, mit vernünftiger Düngung, Beseitigung schädlicher Insecten, und überwand die Schwierigkeit, Tamil-Arbeiter von Malabar und Coromandel herbeizuziehen. 1857 waren in 404 Pflanzungen 80000 Acres (= 32000 ha) unter Kaffe-Cultur und lieferten, bei Verwendung von 129000 Tamilen, jährlich 347000 Centner Kaffe. Dazu kamen noch 160000 Centner der Eingeborenen, denn die Singhalesen folgten dem Beispiel der Engländer. So kam ein zweiter Zeitabschnitt des Glückes, ja schliesslich des Uebermuthes. Der Werth der jährlichen Kaffe-Ausfuhr, der 1827 £ 107000, 1857 £ 1700000 betragen hatte, stieg 1868, 1869, 1870 auf £ 4000000 (für 1 Million Centner Kaffe)! Die jüngeren Söhne, welche einige tausend Pfund Sterling besassen und dem Busch von Australien sowie dem Hinterland von Canada das romantische und dabei gewinnreiche Leben in der Hügelgegend der schönen Insel vorzogen, kamen aus England und Schottland und lebten in Ceylon wie die Fürsten. 176000 Acres (= 70400 ha) waren von den Pflanzern mit Kaffe bestellt, der Acre brachte 5 Centner, oder einen Gewinn von 7–10 £, d. h. 20–25 Procent des aufgewendeten Capitals.

1869 schienen die Aussichten ganz besonders glänzend sich zu gestalten. Da kam das Unheil. Es war ein unsichtbarer Feind, ein mikroskopischer Rostpilz, der die Blätter des Kaffebaumes angriff und gewaltigen Schaden anrichtete, die kostbaren Bäume in Brennholz verwandelte, das ich noch in grossen Haufen auf den Bergen liegen sah, und den Werth der Kaffe-Ausfuhr rasch auf ein Fünftel verringerte. Dieser Pilz (Hemileja vastatrix, Uredineae) ist zuerst in Ceylon auf Kaffebaumblättern beobachtet und von Berkley und Broome in Gardener’s Chronicle (1869, S. 1157) beschrieben worden. Nach Dr. Thwaites, der vergeblich seine warnende Stimme erhob, aber von den Pflanzern verlacht wurde, ist der Pilz einer ceylonischen Dschungel-Pflanze eigenthümlich und hat sich dann, als er auf den Kaffeblättern so gut fortkam, in ungemessener Weise ausgebreitet. Später ist dieser Pilz auch in Mysore, Tonkin, Java, Sumatra zum Verdruss der Kaffepflanzer beobachtet worden, aber nicht in Brasilien.

Anfangs hatten die Pflanzer der Kaffeblatt-Krankheit (Coffee leave disease) keine besondere Bedeutung beigelegt und sogar wegen der steigenden Kaffe-Preise den Anbau um 50 Procent ausgedehnt. Aber die jungen Pflanzungen, welche 1870 bis 1874 unter Aufwendung von £ 3000000 bestellt wurden, gingen fast gänzlich zu Grunde. Die Blätter bedeckten sich mit orangerothen Flecken, fielen ab, der Baum ging zu Grunde. Kein Mittel half.

Der berühmte Botaniker Dr. Marshall Ward, der im Auftrage der Regierung zwei Jahre auf Ceylon verweilte, um die Kaffeblatt-Krankheit zu ergründen und womöglich zu heilen, wurde von den Pflanzern auf das heftigste angegriffen, da ihm die Heilung nicht gelang.

1878 wurden noch 825000 Centner Kaffe ausgeführt, 1888 nur 140000![370]

Viele Pflanzer wurden gänzlich zu Grunde gerichtet. Aber die Verwirrung war doch nicht so gross, wie 1845. Die Gläubiger waren vernünftig genug, auf ihre Zinsen lieber für einige Jahre zu verzichten, als durch Unerbittlichkeit die ganze Grundschuld auf einmal zu verlieren. Man muss bedenken, dass solch’ eine Pflanzung £ 10000 werth ist. Das versicherten mir meine Reisegefährten im Eisenbahnwagen, das las ich später in Tennent’s Darstellung der früheren Verhältnisse.

Die Pflanzer waren muthig genug, sofort eine neue Thätigkeit zu unternehmen. Sowie man einsah, dass die Kaffebäume verloren seien, wurden sie gefällt, um andern Pflanzungen Raum zu geben. 1878 waren 275000 Acres (= 110000 ha) mit Kaffe bepflanzt, die höchste Ziffer, die erreicht worden ist; 1893 nur noch 35000 Acres (= 14000 ha). Die Ausfuhr an Kaffe beträgt nicht mehr 1 Million Centner, sondern den fünfzehnten Theil davon. Die Natur straft Einseitigkeit durch Krankheit; das Heilmittel liegt im Wechsel und in der Mannigfaltigkeit; die neuen Anpflanzungen sind Thee, Cinchona, Cacao.