Der immergrüne Theestrauch (Thea) scheint aus Assam zu stammen. Die wirksamen Stoffe des Thees sind Koffeïn (= Theïn) und ätherisches Oel. Thee erregt das Nervensystem. In China und Japan ist das Theetrinken schon im 8. Jahrhundert n. Chr. bekannt gewesen, nach Europa kam es um die Mitte des 17. Jahrhunderts.

Ceylon scheint für die Theepflanzung sehr geeignet, da in den Niederungen des Westens und Südwestens sowie in der Hügelgegend fast kein Monat ohne Regen bleibt, und die Abwechselung der tropischen Sonne mit der Befeuchtung dem blattbildenden Theestrauch sehr förderlich ist. Die Blatternte erstreckt sich auf sechs und selbst auf neun Monate. Dazu gedeiht der Theestrauch von den Hügeln ab, die wenige hundert Fuss über dem Meeresspiegel emporragen, bis zur Höhe von Nuwara Eliya und darüber, d. h. bis zu der Erhebung von 6000 und selbst 7000 Fuss. 1873 waren 250 Acres mit Thee bepflanzt, 1883 schon 35000, 1887 aber 150000 und 1893 endlich 255000 Acres, das sind über 100000 Hektaren.

Die Ausfuhr von Thee aus Ceylon betrug 1876 ganze 23 Pfund, 1886 an 8 Millionen Pfund, 1892 an 78 Millionen Pfund. Das ist schon ein ansehnlicher Theil, vielleicht ein Siebentel der gesammten Ausfuhr der Erde.[371] Von dem Ceylon-Thee gelangten 1891 nach Deutschland 92000 Pfund, nach England 63 Millionen. In England ist von 1869 bis 1888 der jährliche Verbrauch von 3,63 Pfund auf 4,95 für den Kopf der Bevölkerung gestiegen, der von Kaffe gesunken von 0,94 Pfund auf 0,82 Pfund.

Der Ceylon-Thee scheint mir vortrefflich, sehr rein gehalten, von feinstem Duft und Geschmack, so dass ich den deutschen Hausfrauen schon empfehlen möchte, einen Versuch damit zu machen.

Unter den Pflanzern Ceylons hat sich eine grosse Gesellschaft[372] gebildet, um durch Zusammenwirken den Weltmarkt zu erobern. Von den Theepflanzungen hängt die Zukunft der Colonie ab. Die ganze Atmosphäre von Ceylon ist gewissermaassen mit Thee gesättigt.

Uebrigens ist für die Entwicklung der Colonie die Pflanzung von Thee günstiger, als die von Kaffe. Sie wirft zwar den grossen Pflanzern[373] weniger ab, aber sie beschäftigt die doppelte Zahl von Händen. Die Arbeitslöhne, die man zur Zeit zahlte, schwankten zwischen 35 und 60 Cts.,[374] nach meinen Gewährsmännern; damit können die genügsamen Tamilen gut auskommen.

Die Regierung begünstigt ihre Einwanderung von der Malabar- und Coromandel-Küste durch sehr billige Fahrsätze auf den ihr gehörigen Eisenbahnen und den anschliessenden Dampfern. In Südindien leben viele Millionen, deren Einkommen angeblich (?) für die Familie von etwa fünf Köpfen 1½ Shilling im Monat kaum übersteigt. Für diese ist Ceylon das gelobte Land, da die Familie wöchentlich 6 bis 8 Shilling verdienen und fast die Hälfte ersparen kann. Kein Wunder, dass die Zahl der Einwohner Ceylons durch die Pflanzungen auf das doppelte, die Einfuhr von Baumwollenstoff auf das fünffache, die von Nährstoffen auf das zehnfache angestiegen ist.

Ein grosser Theil dieser Arbeiterbevölkerung ist wechselnd; nach Vollendung der Arbeit kehren sie mit ihren Ersparnissen nach ihrer Heimath, d. h. nach dem Festland, zurück. Ein Theil aber macht sich sesshaft, namentlich da, wo die hochmögenden Herren Pflanzer ihnen ordentliche Hütten bauen und für ihr Wohlergehen Sorge tragen.

Die Aufschriften an jedem Halteplatz unserer Eisenbahnlinie sind dreisprachig: englisch, singhalesisch und tamil.