Cacao (Theobroma[375] Cacao) ist ein aus Amerika stammender Baum von nicht erheblicher Grösse, dessen längliche (10–20 Centimeter lange, 5–7 Centimeter breite), röthliche, nach dem Trocknen braune Frucht in einem Muss die Samen oder Bohnen enthält, welche, geröstet und zerrieben, den Cacao, noch dazu mit Zucker und Gewürz versetzt, die Chocolade geben. Das Wort ist mexicanisch, von Choco, d. i. Cacao, und latl = Wasser. Die Spanier fanden 1519 den Gebrauch der Chocolade bei den Mexicanern vor und brachten denselben nach Europa; im 17. Jahrhundert kam er nach Italien, Frankreich, England, Deutschland. Bontekoe, der Leibarzt unsres grossen Kurfürsten, hat bereits 1667 das Lob der Chocolade verkündigt.

Die Cacaobohnen enthalten Fett, Stärke, Zucker, Eiweiss und das Theobromin, welches seiner Zusammensetzung nach dem Koffeïn sehr ähnlich ist.

Der Anbau des Cacaobaumes erfordert grosse Sorgfalt. Auf dem Wege von Kandy nach Matale sah ich viele Pflanzungen und lernte einen Pflanzer kennen, der die Ackerbau-Chemie unsres Liebig in englischer Uebersetzung eifrigst studirte.

Im Jahre 1886 hat Ceylon bereits für 40000 £ Cacao ausgeführt; 1878 betrug die Ausfuhr 10 Centner, 1891 aber 20000. (Die Ernte der ganzen Erde an Cacao beträgt jährlich etwa 870000 Centner.) 12000 Acres (= 4800 ha) sind auf Ceylon mit Cacao bepflanzt. Die Cacaopflanzungen können keine so grosse Ausdehnung auf Ceylon erfahren, da sie beträchtliche Dicke guten Bodens in mittlerer Höhe und sehr gute, windgeschützte Lage erfordern.

Mit Cinchona, dem immergrünen China- oder Fieberrindenbaum[376] aus den Cordilleren des tropischen Südamerika, waren 1872 erst 500 Acres auf Ceylon bepflanzt, 1877 schon 6000, 1883 aber, nachdem seit 1879 der Misserfolg des Kaffe ausser Zweifel stand, bereits 60000 Acres = 24000 ha. Aber die gewaltige Ausfuhr von China-Rinde aus Ceylon (15 Millionen Pfund im Jahre 1887 gegen 11000 im Jahre 1872) bewirkte einen plötzlichen Preissturz (auf 1 Shilling für die Unze = 30 Gramm[377] Chinin, von 12 Shilling), der für die Leidenden zwar sehr glücklich, aber für die Pflanzer höchst unangenehm war, so dass sie den Anbau von Cinchona wieder theilweise durch den von Thee ersetzten. Im Jahre 1891 war die Ausfuhr von China-Rinde wieder auf 5½ Millionen Pfund gefallen.

Dazu kommt der Wettbewerb von Java, dessen Rinde weit gehaltvoller ist.[378] Immerhin bildet Cinchona eine Ergänzung der Haupterzeugnisse des ceylonischen Pflanzers.


Nuwara Eliya[379] wurde 1826 von englischen Officieren auf der Elephanten-Jagd entdeckt und 1829 bereits von Sir William Barnes zu einer Heil- und Erholungs-Stätte für die Soldaten gemacht. In der That ist der Ort ein Paradies für die in den Tropen lebenden Europäer; die Höhe misst 6200 Fuss über dem Meer, die Temperatur schwankt zwischen + 2° und 21° C. (selbst + 26°) und beträgt im Mittel 13½ bis 15° C. Es giebt für die in Colombo lebenden Europäer kein grösseres Vergnügen, als die Gluthhitze des Tages und die erstickenden Nächte der Ebene zu verlassen und nach einer kurzen Tagesreise von weniger als 100 englischen Meilen in lieblicher und dabei grossartiger Gegend „ein Fleckchen Europa, das in Asien lächelt“, und ein nordisches Haus zu finden, unter wollener Decke zu schlafen und des Morgens vielleicht gar eine Spur von Eis im gefüllten Waschbecken zu entdecken.

Das Grand Hotel von Nuwara Eliya preist sich selber als das schöngelegene Curhaus von Ceylon und druckt einen Brief ab von dem früheren Gouverneur der Insel (Sir William H. Gregory), nach dem die Verpflegung gut und die Rechnung sehr mässig sei.

Es gelingt ihm auch, eine leidliche Zahl heissgesottener Kaufleute und Beamte mit Frauen und Kindern aus Colombo, Südindien und selbst aus Rangoon anzuziehen und zu fesseln, denen das „englisch kühle“ Klima behagt und Abends der lauschige Sitz am prasselnden Kaminfeuer, — das ich, auf meiner Reise, zum ersten Mal seit Banff im canadischen Felsengebirge wieder antraf. Aber die Aehnlichkeit mit England oder mittleren Höhen der Schweiz ist wichtiger für die in Südasien lebenden Europäer, als für die Durchreisenden.