Allerdings liegt das Haus recht schön, in der Hochebene, auf deren Gras fette Kühe (in Asien ein seltner Anblick) weiden, deren Wege mit gut gepflegten, auch europäischen Bäumen bepflanzt sind und überall Eingänge und Einfahrten zu Gärten mit hübschen Landhäusern enthalten; aus der Halle schweift der Blick über einen stattlichen, künstlichen See (Lake Gregory) zu fernen Bergen, namentlich dem Hakkagalla; die ganze Hochebene wird überragt von dem höchsten Berge der Insel, dem Pedurutallagalla.

Das Gasthaus ist einstöckig, einfach gebaut, aber sehr gut ausgestattet; Betten und Möbel besser, als ich sie sonst in Asien, mit Ausnahme von Tokyo, gefunden. Aber billig[380] ist es nicht, und die Gerichte so winzig für einen gesunden Magen, dass der Kellner, der mein Missvergnügen merkte, Käse und sonstigen Nachtisch noch einmal reichte.

Die Gesellschaft war nicht nach meinem Geschmack. Selbstsüchtiges Protzenthum ist für den Reisenden nicht anziehend, sogar als Beobachtungsgegenstand eher langweilig. Damen, welche ihren daheim schon fragwürdigen Geschmack in Asien erst recht abenteuerlich ausgestaltet haben und Tigerzähne, in Gold und Edelstein gefasst, als Halskette auf rothseidnem, gesticktem Gewand tragen, pflegen mich nicht zur Unterhaltung anzuregen.

Am nächsten Morgen ganz früh ging[381] ich, unter Führung eines einheimischen Knaben, auf den Gipfel des Pedurutallagalla,[382] des höchsten Berges in Ceylon, der 8295 Fuss über dem Meeresspiegel, 2095 Fuss über dem Gasthaus emporragt und 3 englische Meilen von dem letzteren entfernt ist. Es ist „ein Gneisdom, ein ungeheurer, waldbedeckter Maulwurfshügel“.

Da ich den berühmteren Adams-Pik wegen der Jahreszeit nicht besteigen konnte, so wollte ich wenigstens den ersteren nicht versäumen.

Der Weg führt zunächst durch die Ebene, vorbei an dem Wohnsitz der Eingeborenen, dem sogenannten Markt (Bazar), wo wieder verschiedene englische Kirchen und Secten den Wettbewerb um die Seelen der Heiden betreiben, und steigt dann empor zu einem dichten, schattigen Wald mit zwitschernden Vögeln und murmelnden Bächen, wie wir ihn in den Bergen des Harzes oder in der Schweiz so oft mit Entzücken durchwandern.

Nur Laubbäume sind zu sehen. Nadelhölzer kommen auf Ceylon nicht in Wäldern vor, sondern nur in künstlichen Anpflanzungen, z. B. in dem Garten von Hakkagalla.

Besonders bemerkenswerth sind die Himalaya-Fichten von Piniengestalt mit ganz schmalen Blättern und eine stattliche, 30 Fuss hohe Art von Rosenbaum[383] mit dunkelrothen Blüthen. Die Baumäste sind mit fusslang herabhängenden Moosbärten geschmückt; einzelne Bäume sehen so aus, als wären sie von oben bis unten in dunklen Pelz gekleidet. Das Gebüsch zur Seite des Weges ist mannshoch, breitblättrig, undurchdringlich, ein förmlicher Urwald.

Es ist völlig einsam. Mein Führer schweigt theils aus Schüchternheit, theils aus Unkenntniss der englischen Sprache. So konnte ich ungestört der Beobachtung und Empfindung mich hingeben.

Man liest in Reisebüchern die Behauptung, dass in den Tropen der Wald nicht so poetisch sei, wie in unserm Vaterland. Aber der Wald ist seelenlos, hier wie dort; die Empfindung legen wir erst hinein und müssen sie in uns tragen.