„An der Mittagstafel des Hotels (zu Point de Galle) habe ich heute ein neues Gericht kennen gelernt: gesottene und geröstete Schlangen. Sie wurden in der Suppe gekocht und gebraten servirt; ihr Wohlgeschmack liess sich nicht leugnen. Anfangs hielt ich die kleinen Stücke für Aal, bis mich die grössere Härte eines Besseren belehrte.“ Ueberzeugend ist diese Beweisführung keineswegs. Vielleicht ist es ein vom Herausgeber Kossak missverstandener Witz des Reisenden.
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass zum Reis Würzen (curry)[392] aus pflanzlichen (und auch aus thierischen) Theilen gemischt werden, und zwar milde, d. h. solche, die weniger brennen, und scharfe,[393] die uns fast unerträglich sind. Curry war schon im 2. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch, nach der singhalesischen Chronik Rajavati; im 5. Jahrhundert n. Chr. nach Mahawanso. Der gewöhnliche Curry der Singhalesen besteht aus rothem Pfeffer, Zwiebeln, Kern der Kokosnuss, dessen Oel die Schärfe ein wenig mildert, und wird mit Pflanzenblättern (von Memecylon) gelb gefärbt. Für die Europäer fügen sie noch Fisch oder Hühnerfleisch oder Eier hinzu und wählen danach den Namen, z. B. Hühner-Curry. Doch war es mir manchmal fast unmöglich, mit dem Auge oder mit der Zunge diese Beimengung zu entdecken.
Nach Anuradhapura.
Bereits am nächsten Morgen (Dienstag, den 15. November) führte ich den Rath des Herrn Nock aus und fuhr nach der alten Ruinenstadt in der nördlichen Centralprovinz von Ceylon. (North Central Province.)
Die letztere ist eine neue Gründung in dem vorher öden Landgürtel zwischen Singhalesen- und Tamil-Gegend; durch Wiederherstellung der alten Teiche und Bewässerungen haben die Engländer hier die Ansiedlung einer reisbauenden Singhalesen-Bevölkerung (jetzt 74000) in’s Leben gerufen.
Die Schwierigkeiten der Reise sind in der letzten Zeit erheblich verringert worden und werden in den schwärzesten Farben nur von denen dargestellt, welche aus irgend einem Grunde den Ausflug nicht gemacht haben.
Zuerst fahre ich Morgens ganz früh mit dem Postwagen von Nuwara Eliya durch die üppig bewachsene Schlucht bergab nach Nanu-Oya und von da mit der Eisenbahn nach Kandy.
Auf der letzteren Strecke wird der Adams-Pik in seiner vollen Schönheit sichtbar. Der Spitzkegel starrt frei empor in den blauen Himmel; nur zeitweilig ist die höchste Spitze von einer dichten Wolke verhüllt. Um diese Jahreszeit regnet es auf dem Gipfel fast unablässig; eine Besteigung ist unmöglich, kein Mensch weilt oben. Da aber der Adams-Pik die Landmarke von Ceylon darstellt, so muss ich doch, der Vollständigkeit halber, die Merkwürdigkeiten dieses berühmten Berges andeuten.
Schon die Ureinwohner der Insel haben diesen steil emporragenden Fels verehrt; die Aushöhlung auf der Spitze ist nach den Brahmanen der Fusstapfen von Shiva, nach den Buddhisten der von Buddha, nach den christlichen Gnostikern und den Mohammedanern der von Adam. Buddhistische Priester sind Wächter des heiligen Fusstapfens (sripada[394]); aber die Gläubigen aller Bekenntnisse beten hier in frommer Verträglichkeit, nicht in heftigem Streit, wie die lateinischen und griechischen Christen am heiligen Grabe zu Jerusalem.