Man erkennt einen Processionsweg rings um den Unterbau und ein äusseres Steingitter, vier Vorsprünge des Unterbaus entsprechend den vier Hauptzugängen oder Treppen, ein Gesims des granitnen Unterbaus, das ganz und gar mit frei hervortretenden Elephantenköpfen geschmückt ist, während gleichsam die verborgenen Riesenleiber der Thiere den ganzen Bau zu tragen scheinen.[412] Der fromme Pilger reibt noch heute den Granitstein mit einer Münze oder einem Schmuck aus Gold.

Hier findet man auch überlebensgrosse Bildsäulen. Zunächst die eines Königs; sie stellt aber nicht den Erbauer der Dagoba dar, von dem allerdings einige Reliquien, z. B. der Grabstein, hier aufbewahrt werden; sondern den König Batiya Tissa, aus dem Beginn unsrer Zeitrechnung. Ferner mehrere Bildsäulen von Oberpriestern. Mit altgriechischen Werken kann man diese, und auch einen grossen Buddha in der Nachbarschaft, nicht vergleichen, — höchstens mit denen aus der frühesten Zeit, wo der Bildhauer das Brett des Holzschneiders noch nicht ganz überwunden hatte.

Uebrigens entbehrt nicht alles Bildwerk zu Anuradhapura der Anmuth. Die Schutzgötter, die zu beiden Seiten der Zu- und Eingänge so vielfach angebracht sind, wiegen sich in den Hüften, wie so mancher Apollo; es sind die Dwarpals oder Thürhüter, mit der siebenköpfigen Schlangenkappe auf dem Haupt. Die zierlichen halbkreisförmigen (Mond-) Steine vor den Eingängen enthalten in erhabener Arbeit rings um eine stylisirte Lotosblume erst eine Reihe von heiligen Gänsen,[413] darum eine blumige Ranke, weiter nach aussen eine Procession von Elephant, Buckelochs, Löwe, Pferd und zum Abschluss eine pflanzliche Verzierung.

Am Eingang zu einem Felsentempel (Isurumuniya, ausserhalb des Ortes,) ist hoch oben in den lebendigen Granitfels ein Gott in höchst anmuthiger Stellung neben einer Kuh ausgemeisselt, — wenn es dem Gott nur nicht gefiele, falsche Ohren an unrichtiger Stelle zu besitzen.

Nicht weit von der Ruanwelle-Dagoba, dicht bei der Kreuzungsstelle der beiden Hauptstrassen des alten Anuradhapura, steht die heiligste aller Dagoba, die Thuparama, 307 v. Chr. vom König Devenipiatissa errichtet, um den rechten Schulterknochen[414] von Buddha zu bergen.

Es ist dies das älteste Gebäude von ganz Indien, das auf unsre Tage gekommen. König Upatissa (400 n. Chr.) liess eine metallene, mit Gold geschmückte Umhüllung des ganzen Bauwerks anfertigen. Ein frommer Priester in der Mitte unsres Jahrhunderts sammelte Geld, befreite den Bau von dem überwuchernden Pflanzenwuchs und gab ihm eine einfache Hülle von Stuck.

Diese Dagoba hat eine höchst geschmackvolle Glockengestalt. Durchmesser und Höhe der Glocke sind nahezu gleichgross, etwa 60 Fuss hoch. Die 9 Fuss hohe Terrasse, auf welcher der Bau steht, ist geschmückt mit drei Reihen 24 Fuss hoher, unten vier-, oben achteckiger Granitpfeiler aus je einem Stein mit schön geschmückten Capitälen. Diese Dagoba dient noch heute den religiösen Zwecken der Buddhisten.

Ganz in der Nähe hat einst der Schrein für Buddha’s Zahn gestanden, wie auch Fa Hian aus eigner Anschauung berichtet; doch ist keine Spur mehr davon zu sehen.

Dagegen steht noch die Lankaramaya Dagoba (von 32 Fuss Höhe), die allerdings bedeutend jünger ist, nämlich aus dem Jahre 276 n. Chr. Die achteckigen Pfeiler am Unterbau tragen Buddha-Putten am Capitäl.