Unvergleichlich ist die Pracht der Blumen und der nur mit einem Schattendach versehenen Gewächshäuser. Die grösste Berühmtheit des Gartens ist ein Banyanbaum (Ficus indica), der laut Inschrift genau hundert Jahr alt ist, aber durch die zahlreichen Luftwurzeln zu einem gewaltigen Dom mit flacher, grüner Kuppel und mit ungeheuren Säulenhallen sich entwickelt hat. Der Umfang des Stammes beträgt 42, der Verzweigungen 850 Fuss, die Zahl der Luftwurzeln 280.

Es ist sehr merkwürdig, dass bereits Milton († 1674) den wunderbaren Banyan-Baum besungen hat:

Branching so broad along, that in the ground

The bending twigs take root and daughters grow

About the mother tree, a pillared shade,

High overarched with echoing walks between.

Der botanische Garten zu Calcutta hat zur Kenntniss und zur Pflege der tropischen Pflanzen sehr viel beigetragen. Das grosse indische Herbarium ist unter Wallich hauptsächlich von den Schätzen dieses Gartens gesammelt und hat 1829 an die vornehmsten Museen Europa’s reiche Gaben ausgetheilt. Die Theepflanzungen auf dem Himalaya und in Assam sind hauptsächlich ein Werk des Gartendirectors. Die Sammlung getrockneter Pflanzen enthält 40000 Arten. Die Flora of British India in 34 Theilen oder 9 Bänden wird im Jahre 1893 zu Kew bei London beendigt werden und legt Zeugniss ab von dem wissenschaftlichen Eifer der Engländer.

Bei der Rückfahrt finde ich die Brücke über den Hugli aufgezogen, damit Schiffe stromaufwärts fahren können. Die Stunde unfreiwilliger Musse (von 3–4 Uhr Nachmittags) giebt reichlich Stoff zur Beobachtung.

Hunderte von Wagen und Ochsenkarren stauen sich beiderseits und Hunderte von Fussgängern; denn eine zweite Brücke giebt es nicht über den breiten Strom, wohl eine Dampf-Fähre und kleine Boote.

Unterhalb der Brücke am Fluss-Ufer steht eine Inschrift: Dies Bad ist ausschliesslich für Hindu. Es wird reichlich benutzt. Hindu-Damen in ärmlicher Gewandung, aber stolzer Haltung, schreiten hinab in’s Wasser und baden sich sowie das lange rechteckige Baumwollentuch, das, künstlich umgeschlungen, ihr Kleid darstellt. Im blossen Schurz ringen sie das Tuch aus und trocknen es auf dem steinigen Ufer, in der Sonne, was nicht lange dauert. Kein Mann guckt nach ihrer Blösse, wie in unseren hoch gesitteten Seebädern.