An den Pocken sind 1883 in Indien 333000 Menschen gestorben. Indien ist ein ungesundes Land, seine Sterblichkeitsziffer beträgt jährlich 40 vom Tausend. (In Deutschland 28.)
Darjeeling im Himalaya.
Am 3. Dezember Nachmittags 4 Uhr, oder um 16 Uhr, wie es in Indien (und Canada) heisst, beginne ich einen viertägigen Ausflug[459] nach Darjeeling im Himalaya, erst auf der östlichen, dann weiter auf der nördlichen Eisenbahn von Bengalen.
Das Land ist dicht bevölkert und angebaut wie ein Garten. Man sieht unermessliche Reisfelder, Pflanzungen von Jute, Tabak, Gemüse, Zuckerrohr, Kokospalmen, Bananen u. s. w.; zahlreiche Dörfer, die Hütten mit schwach gewölbten Dächern, und Teiche.
Abends gegen 9 Uhr erreichen wir Damukdia, am rechten Ufer des Ganges. Wegen der grossen Aenderungen im Flussbett[460] konnte ein bleibender Bahnhof nicht in Angriff genommen werden. Jetzt ist der Fluss eine englische Meile breit; zur Zeit des Hochwassers, wenn der Himalaya-Schnee reichlicher schmilzt, angeblich bis 5 Meilen. In der trockenen Jahreszeit werden alljährlich zeitweilige Schienen auf den Sand gelegt, um den erheblichen Abstand (von 13 englischen Meilen) zwischen Damukdia und dem jenseitigen Eisenbahnhalteplatz Sara Ghat einigermassen zu verringern.
Die wirkliche Kreuzung des Flusses mittelst des Dampfschiffes dauert jetzt 20 Minuten. (Erheblich länger in der nassen Jahreszeit.) Auf Deck wird uns ein Abendessen aufgetragen. Zum ersten Mal in Indien ist es empfindlich kühl.
Am nördlichen Ufer beginnt die Nordbahn von Bengalen (Northern Bengal railway). Diese hat eine Meter-Spurweite.
Das zweimalige Umsteigen ist durch die Anwesenheit williger Kuli wesentlich erleichtert. Auf jeden Europäer stürzen sich zwei bis drei, entreissen ihm jedes Gepäckstück und schleppen es nach dem neuen Bestimmungsort. Zwei bis drei Annas jedes Mal ist ein genügendes Trinkgeld; ich wenigstens habe fast nie Unzufriedenheit gesehen.
So beginne ich meine erste Nachtfahrt auf indischer Eisenbahn. Der Abtheil ist geräumig und nur für vier Reisende bestimmt, von denen zwei auf den beiden gepolsterten Seitenbänken bequem schlafen können; die beiden andern leidlich, auf den obern Klappbänken. Betten werden nicht geliefert. Fast Jeder reist mit seinem eignen Bett. Die im Lande lebenden Europäer bringen ungeheure Mengen von Gepäck in den Wagen, jeder zwei bis drei Koffer, verschiedene Mantelsäcke, Körbe, Nahrungsmittel, Flaschen mit Trinkwasser u. dgl.