Fu-Hian (399 n. Chr.) sagt, dass 10 li (= 3,6 Kilometer) nordwestlich von Benares in dem Hirschpark des Unsterblichen der Tempel gelegen sei. Hiouen Tsang (629–645 n. Chr.) berichtet, dass in dem Hirschpark bei Benares ein grossartiges Kloster mit einem Tempel (Vihara) von 200 Fuss Höhe sich befand und verschiedene Gedenk-Thürme (Stupa) zur Erinnerung an das Erdenwallen von Buddha, darunter zwei vom König Asoka (244 v. Chr.) errichtete.

Da diese Stupa aus Ziegeln oder kleinen Steinen mit schlechtem Cement erbaut waren, so konnten sie nach der Entheiligung den Hindu, welche Steine zum Hausbau entnahmen, und den bildzerstörenden Mohammedanern keinen Widerstand leisten und befinden sich heute in trostlosem Zustand.

Der Thurm zu Sarnath (Dhamek Stupa), den der Reisende heutzutage noch sieht, ist 1835–1836 vom General Cunningham genau durchforscht und als Stupa, d. h. Gedenk-Thurm ohne Reliquien, erkannt worden.

Der untere Theil von 93 Fuss Durchmesser und 43 Fuss Höhe besteht aus soliden, mittelst Eisenklammern verbundenen Hausteinen und reicht 9 Fuss unter den Boden; darüber erhebt sich bis zur Höhe von 100 Fuss ein Ziegelbau, der vielleicht nie vollendet ward, jedenfalls stark verfallen und mit Buschwerk bewachsen ist.

Der untere Theil zeigt acht vorspringende Flächen mit je einer Nische, wahrscheinlich um eine Bildsäule von Buddha aufzunehmen; und darunter ein breites Band von geometrischen und blumenartigen Verzierungen, das rings um den Thurm läuft. Die Ueberlieferung meldet, dass der Bau um das Jahr 1000 n. Chr. errichtet und durch den Einfall der Mohammedaner unterbrochen worden ist: eine Ansicht, der sich Capitän Wilford und Fergusson anschliessen, da die Verzierungen ganz übereinstimmen mit denen, welche Hindu-Künstler an den ältesten Moscheen zu Ajmir und Delhi angebracht haben.

Jetzt wird an der Erhaltung und Wiederherstellung des alten Denkmals gearbeitet. Der Maurer, der oben auf der Leiter stand und dem seine Kinder, Knabe wie Mädchen, Steine und Mörtel zutrugen, kam eiligst herabgeklettert, um von dem Fremden das ihm zukommende Trinkgeld zu fordern.

In der Nähe sind noch manche Ruinen, auch Torso von Buddha, Brunnen und auf einem steilen Hügel von 100 Fuss Höhe ein achteckiger (Wacht-?) Thurm aus dem 15. Jahrhundert, mit arabischer Inschrift; endlich ein von einer Mauer umgebener Jain-Tempel, der durch gute Erhaltung und grosse Sauberkeit vortheilhaft absticht und aus einer Säulenhalle um die drei Seiten des rechteckigen Hofes mit etwa 25 Kapellen besteht. In jeder Kapelle sitzt ein Heiliger. Sie sehen für uns alle gleich aus, und jeder gleicht Buddha. In der That sollen es aber 24 verschiedene Menschwerdungen der Weisheit sein. Jeder hat seinen besonderen Bildschmuck von Thieren und Pflanzen. (Ochs, Elephant, Pferd, Lotus u. s. w.)

Der zweite Ausflug ist eine Wasserpartie, südwestlich nach Ramnagar, dem Schloss des Maharajah von Benares, am rechten Ufer des Ganges. Der Palast ist festungsartig angelegt und ungeheuer weitläufig, wie eine kleine Stadt. Am Thor der Umwallung stehen einige sonderbar aufgeputzte Soldaten; dies Spielzeug gönnen die Engländer dem abgesetzten Fürsten. Sie nehmen den Erlaubnissschein in Empfang, den ich Tags zuvor von Herrn Dr. med. Lazarus, dem Bevollmächtigten des Maharajah in der Stadt, erhalten. Ich warte eine geraume Zeit. Dann kommt ein Diener und führt mich über weite Höfe in den eigentlichen Herrschersitz.

Wir durchwandern riesige Säle, die in schlechtem europäischen Geschmack ausgestattet und geschmückt sind. Das Entzücken der Asiaten sind grosse Crystallkronleuchter, Uhren mit beweglichen Figuren, Oelgemälde ihrer Familienmitglieder, auf denen allerdings mehr die reiche Gewandung als der Gesichtsausdruck zur Geltung kommt. Der Officier, der die Pflichten des Wirthes erfüllte, geleitete mich zum Schluss auf einen reizvollen Pavillon mit zierlich durchbrochener Wandung, der, auf einem hohen Bollwerk hart am Flussufer angelegt, eine entzückende Aussicht auf das ferne Benares beherrscht. Mit diesem letzten Blick schied ich von der heiligen Stadt und fuhr Mittags 12 Uhr, am 10. Dezember, nach Lucknow.