Gegenüber ist ein Museum, welches die Kunsthandwerke Indiens zeigt, nach den verschiedenen Provinzen geordnet, Bronze- und Messingarbeiten von Benares, eingelegte Marmorwaaren von Agra, Teppiche und bemalte kleine Thonfiguren in höchster Lebenstreue aus Lucknow, ausserdem wieder Darstellungen der indischen Völkerstämme, naturwissenschaftliche Sammlungen aus den drei Reichen.
3) Muchi Bhawan, eine ältere Festung, die ihren Namen „Fischhaus“ von Saadut Khan erhielt. Am 30. Juni 1857 ward sie von den Engländern, die sie nicht halten konnten, in die Luft gesprengt. Bei Gelegenheit der Zugeständnisse, welche man später den Eingeborenen machte, bevor in der grossen Versammlung zu Delhi die Königin Victoria als Kaiserin von Indien ausgerufen wurde: ward das Gebäude den Mohammedanern zurückerstattet, wird jetzt (zusammen mit dem folgenden Palast) aus einem Capital verwaltet, das der letzte, abgesetzte König noch bei seinen Lebzeiten gestiftet hatte, und ist auch einigermassen wieder hergestellt worden.
Die Thorbauten sind mächtig, der Eingang mit den beiden Wappenfischen geschmückt und mit zwei Meerweibern, die eine Krone tragen, die Umfassungsmauern mit Hunderten von kleinen Kuppeln (aus Stuck) statt der Zinnen gekrönt.
Wenn man unter dem Thorweg eingetreten ist, sieht man zur Rechten eine Moschee, Jumma Musjid des Asaf-u daulah, die auch heute noch, entsprechend ihrem Namen, des Freitags von den Gläubigen besucht wird.
Gradeaus, nach Norden, steht das Hauptgebäude, Imambara oder Haus des Propheten genannt[496] „das Juwel von Lucknow“, das hauptsächlichste Bauwerk von Asaf-u daulah’s Regierung.
Zur Zeit einer Hungersnoth wurde es begonnen, um der Bevölkerung Arbeitsgelegenheit zu geben, und 1783 vollendet, für 1 Million £. Das Gebäude ist 303 Fuss lang, 163 Fuss breit, 63 Fuss hoch. Ueber eine mächtige Freitreppe steigt man empor zu den neun offenen, von saracenischen Bögen überwölbten Eingängen. Der Haupteingang führt in die Haupthalle, die 163 Fuss lang und 53 Fuss breit und mit einem Gewölbe gedeckt ist. Hier liegt Asaf-u daulah begraben. Der Sarg ist einfach, aber von einem silbernen Gitter umgeben; die an sich feierliche Halle mit Glaskronleuchtern und andern glitzernden Schmuckgegenständen (z. B. einer Nachbildung des Grabes vom Propheten) geschmacklos ausgeputzt. Das Westthor, Rumi Darwaza oder Thor von Constantinopel, soll eine Nachahmung der hohen Pforte sein, doch konnte ich die Aehnlichkeit nicht herausfinden.
4) Hoseïnabad Imambara oder Licht-Palast des Propheten, den Muhammed Ali Schah 1837 für sich als Begräbnissplatz erbaut hat. Das Hauptgebäude ist erheblich kleiner als das vorige, steht am Ende eines grossen mit Teich und Blumen geschmückten Gartens und zeigt gar keine Wandflächen, sondern nur Verzierungen; es ist recht heiter, aber geschmacklos.
Der vorspringende Mittelbau hat fünf von saracenischen Bögen überwölbte Eingänge und oben eine vergoldete und gerippte Kuppel. Die beiden Seitenflügel zeigen vier kleinere saracenische Bögen und Freitreppen. Im Innern ist ein Doppelgrab, daneben die üblichen Glaskronleuchter, bunte Glaskugeln, Spiegel u. dgl., aber auch ein Mimbar aus massivem Silber.