Die aufständischen Sikh im Punjab wurden zwar mitleidlos zertreten (1710–1716), aber die Rajput erlangten 1715 Selbständigkeit und die Marathen aus Süd-Indien gewannen sogar die Provinzen Malwa (1743) und Orissa (1751).
1739 plünderte Nadir Schah aus Persien Delhi und nahm eine Beute von 32 Millionen £ mit. Sechs Mal brachen die Afghanen ein (1747–1761) und brachten unsägliches Elend über das Land; 1761 schlugen sie auf dem blutgedüngten Felde von Panipat die Marathen. Inzwischen bauten die Engländer langsam ihre Herrschaft auf; 1788 nahmen sie Delhi ein und liessen dem Schattenkaisern Serail, Hofehren und einen Jahresgehalt (von 150000 £), während sie die entscheidenden Kämpfe mit den Marathen und Sikh durchfochten. Der letzte Kaiser tauchte 1857 für einen Augenblick im Meuterkriege auf und starb als Staatsgefangener zu Rangoon im Jahre 1862.
Agra,[514] die schönste Stadt Nord-Indiens, liegt am rechten Ufer des Jumna, des Hauptnebenflusses vom Ganges, und ist durch eine schöne Eisenbahnbrücke von sechzehn Bögen zu je 142 Fuss sowie durch eine plumpe Schiffsbrücke mit dem linken Ufer verbunden; bei 27° nördlicher Breite und 204 Meter Erhebung über den Meeresspiegel hat es eine mittlere Temperatur von 25,5° C. Die Einwohnerzahl betrug 1881 über 160000, davon waren 109000 Hindu, 45000 Mohammedaner, 4000 Christen. Im Jahre 1891 betrug die Einwohnerzahl von Agra nebst Cantonment 168000. Die alten Wälle der Stadt umschliessen ein Gebiet von 27½ Quadratkilometer, das jetzt etwa zur Hälfte mit Häusern bebaut ist.
In geschichtlicher Hinsicht ist nichts über Agra bekannt vor der Zeit der Mohammedaner. Sikander Lodi (1488–1517) machte es zu seinem Herrschersitz, doch lag seine Stadt am linken Ufer des Jumna. Die Glanzzeit der Stadt fällt zusammen mit der der Grossmogul. Akbar baute die Festung 1566 und herrschte zu Agra von 1568 bis zu seinem Tode 1605. Jehangir baute seinen Palast in der Festung (J. Mahal) und das Grabmal seines Schwiegervaters (des Itimadu daulah); aber 1618 verliess er Agra und kehrte nie wieder zurück. Schah Jahan residirte zu Agra und baute die Perl- und die grosse Moschee sowie die Taj und die Kas Mahal. Aurangzeb aber verlegte den Herrschersitz dauernd nach Delhi.
1764 wurde Agra von den Jats,[515] 1770 und 1774 von den Marathen erobert, am 17. October 1803 von den Engländern eingenommen, welche dabei 164 Geschütze und einen Schatz von ¼ Million £ erbeuteten. 1835 wurde der Sitz der Regierung der Nordwestprovinzen hierher verlegt.
Während des Meuterkrieges zog sich die Regierung am 3. Juli 1857 in die Festung zurück. Zwei Tage später wurde eine britische Abtheilung (bei Sucheta in der Nähe von Agra) von den Meuterern zum Rückzuge genöthigt; und, ehe sie noch den Schutz der Festung erreichte, begann der Pöbel zu plündern, zu brennen, Christen zu ermorden. Aber die feindliche Macht zog nach Delhi ab. Die Festung gewährte sichere Zuflucht für 4500 Europäer; unter diesen waren, ausser Soldaten, sowohl Nonnen von der Loire und Garonne wie Priester aus Rom und Sicilien, Missionäre vom Ohio und aus Basel, aber auch Gaukler aus Paris und Hausirer aus den Vereinigten Staaten. Nach der Wiedereroberung von Delhi zogen die flüchtigen Meuterer von dort zusammen mit denen von Central-Indien gegen Agra, wurden aber von der Abtheilung des Obersten Greathed aus Delhi, der vor ihnen und unbemerkt die Stadt Agra besetzt hatte, am 6. October 1857 geschlagen und gänzlich zerstreut.
1858 ward der Regierungssitz nach Allahabad zurück verlegt, aber Agra wurde durch die Entwicklung des Eisenbahnnetzes der Handelsmittelpunkt des Nord-Westens.
Am 13. December fuhr ich in der üblichen Weise, im Einspänner mit Führer, zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Agra; am folgenden Tage besuchte ich dieselben Orte noch einmal ohne Führer, was ja natürlich viel behaglicher ist.