Auf dem Gebiete der Baukunst sind die Tataren ausgezeichnet durch ihre grosse Neigung zu Grabes-Bauten; hierdurch unterscheiden sie sich von Ariern und Semiten, mit denen sie die Herrschaft eines grossen Abschnitts der Erde theilen.

Die tatarischen Fürsten bauten selber ihr eigenes Grabmal bei Lebzeiten; aber nicht, wie einst die alten Aegypter, dunkle Kammern oder massige Pyramiden! Nein, inmitten eines lieblichen, draussen vor der Stadt belegenen Gartens, den sie mit hohen Zinnenmauern umgaben und mit prachtvollen Thorgebäuden schmückten, errichteten sie auf einer Erhöhung ein vier- oder achteckiges kuppelgekröntes Gebäude, das der Stifter bei Lebzeiten als Bara-duri, d. h. zwölfthorige Festhalle, mit seinen Freunden zur Erholung und zu frohen Festen benutzte. Nach seinem Tode aber wurde sein Leib unter dem Dom begraben, zuweilen auch der seiner Lieblingsgattin und anderer Verwandten. Die Sorge für das Gebäude wird nunmehr den Priestern übertragen, welche vom Verkauf der Früchte des Gartens und von milden Gaben leben. Taj Mahal ist von all’ den zahlreichen Grabstätten die einzige, wo Garten und Gebäude in der ursprünglichen Schönheit erhalten sind. Es giebt wenige Stellen der Erde, nach Fergusson keine zweite, wo Natur und Kunst so erfolgreich zusammenwirken.

Das Grabmal des Itima du daulah (am linken Ufer des Jumna, wohin man von der Stadt aus über die belebte Schiffbrücke gelangt,) erläutert das eben Gesagte noch deutlicher; denn dieses ist in der That nur ein heiteres Gartenhaus.

Es ist ein einstöckiges, viereckiges Gebäude mit einem achteckigen, kuppelgekrönten Thurm in jeder Ecke und einem Pavillon auf dem platten, konsolengeschmückten Dach. Die Aussenfläche ist ganz mit Marmor belegt und dieser bis in die Leibungen der Spitzbogen hinein mit den schönsten und mannigfaltigsten geometrischen Mustern und heitersten Farben eingelegt, alle Fenster mit dem zierlichsten, durchbrochenen Gitterwerk ausgefüllt. Am ganzen Bauwerk ist nirgends eine ungeschmückte Fläche zu sehen. Im Innern wie in den Nischen der Bögen sind noch gemalte Blumen, Cypressen und langhalsige Vasen. Im Jahre 1628 liess der Schatzmeister und Schwiegervater von Jehangir den Bau errichten, oder seine Tochter, die Kaiserin. In dem Hauptgemach liegen die Grabsteine des Erbauers und seiner Gattin; in dem Marmor-Pavillon, der gerade darüber steht, sind noch einmal die Leer-Gräber angebracht.

Das dritte Grabdenkmal von Bedeutung ist das des grossen Akbar im Dorf Sikandarah,[525] 9 Kilometer nordwestlich vom Cantonment.

Das mächtige Thorgebäude ist aus rothem Sandstein, eingelegt mit weissem Marmor und grossblumigen Verzierungen, gekrönt von vier zweistöckigen Marmorthürmen, deren Kuppeln die Jat bei der Plünderung von Agra (1764) muthwillig mit Kanonenkugeln abgeschossen haben. Innen führt ein breiter, gepflasterter Weg zu dem Mausoleum.

Dasselbe ist ein fünfstöckiges, sich verjüngendes Gebäude aus rothem Sandstein. Das untere, massive Stockwerk (ohne die Eckthürme) von 320 Fuss Seitenlänge und 30 Fuss Höhe, ist an jeder der beiden Hauptflächen von zehn grossen Spitzbogen-Eingängen durchbrochen und einem grösseren in der Mitte, der von Marmor-Mosaik und zwei schlanken Thürmchen eingefasst ist. Dann folgen drei Stockwerke mit offenen Hallen und Kuppeln; der oberste Stock von 115 Fuss, d. h. etwa der halben Seitenlänge des untersten, ist ganz aus weissem, durchbrochenem Marmor der schönsten Muster gebildet.

Hier oben steht Akbar’s Leer-Sarg von Marmor mit den herrlichsten Arabesken und dem Wahlspruch seines eigenen Glaubensbekenntnisses: „Alla hu akbar, Gott ist gross.“ Ein vier Fuss hoher Marmorpfeiler steht neben dem Sarg in dem Gemach; derselbe war einst mit Gold bedeckt und enthielt den Koh-i-nur; von hier hat ihn Nadir Schah fortgenommen. Eine prachtvolle Aussicht auf Jumna, Fort, Taj, Stadt, lohnt die Besteigung.

Genau unter dem Leergrab, in einem dunklen, mit Lampen spärlich erhellten Keller-Gewölbe, ruhen unter einem ganz einfachen Stein die sterblichen Reste des grossen Fürsten, der zur Zeit, als Europa von Religionskriegen zerfleischt ward, ein Muster von Duldung und Weisheit gewesen. Dicht bei Sikandra liegt das Grabmal seiner Frau Begam Marjam, der christlichen Portugiesin Maria. Sein eignes Grabdenkmal, das Akbar selber gebaut, ist nach Fergusson durchaus das Abbild eines Buddhisten-Klosters (Vihara) und sollte ursprünglich wohl noch einen Dom von 40 Fuss Höhe erhalten, so dass die Gesammthöhe von 140 Fuss in schönem Einklang stand mit den Längenabmessungen. 3000 Werkleute haben 20 Jahre lang an dem Bau gearbeitet.

Die Fahrstrasse nach Sikandra zeigt noch manche Sehenswürdigkeiten: erstlich die Meilensteine (Kos minar) auf Jehangir’s kaiserlichem Wege von Agra nach Lahore; sodann zahlreiche Gräber, eines mit einer Halle von 64 Pfeilern zum Andenken an einen General Akbar’s; ferner ein Kühl-Haus (baoli), das aus einer Reihe von Zimmern rings um einen tiefen Brunnen besteht und als Sommerwohnung während der heissen Jahreszeit von den Reicheren benutzt wurde; endlich ein plumpes Stein-Ross, angeblich von Sikander Lodi aufgestellt.