Das Fort Akbar’s,[526] zu seiner Zeit unüberwindlich, steht noch heute, nach mehr als drei Jahrhunderten, unversehrt in seiner kräftigen Schönheit da. 70 Fuss hoch ragen die zinnengekrönten, von (30 Fuss) tiefem und breitem Graben umgebenen Mauern aus rothem Sandstein. Der Umfang beträgt fast 3 Kilometer. Der Grundriss ist ungefähr ein Halbkreis, die krumme Linie mit ihren Bastionen nach der Landseite, der grade Durchmesser nach dem Fluss zu gewendet. Besonders schön ist der Anblick von der andern Seite des Flusses.
Durch das von mächtigen Thürmen und Bastionen beschützte westliche oder Delhi-Thor fährt der Reisende hinein und gelangt durch das innere oder Elephanten-Thor, woselbst ehemals zwei Stein-Elephanten mit den berühmten Rajput-Helden Patta und Jaimall gestanden haben, zu der Wache.
Die Sepoy grüssen nach Krieger-Art den Europäer, auch wenn der letztere ganz friedlich aussieht. Eingeborene aber dürfen die Festung überhaupt nicht ohne ganz besondere Erlaubniss betreten.
Deshalb ist auch die Perlmoschee (Moti Musjid), das nächste Prachtgebäude im Innern der Festung, ganz leer von Gläubigen.
Würdevoll steht der vereinsamte Priester auf der Platform der hohen, vorspringenden Doppel-Treppe und streckt dem Ungläubigen seine Rechte entgegen, um das Geschenk zu empfangen, von dem er mit seiner Familie leben muss. Als ich aber am nächsten Tage wiederkehrte, nickte er mir freundlich zu, wie einem alten Bekannten, ohne eine Gabe zu heischen.
Durch das bedeutende Thorgebäude aus rothem Sandstein tritt man in den (154×158′) grossen Hof, der eine mächtige Wirkung auf den Beschauer ausübt. Alles, was wir sehen, ist Marmor. In der Mitte liegt der Brunnen zu den Abwaschungen. An drei Seiten (Osten, Süden, Norden) ist die mit zierlichen Zinnen gekrönte Umfassungsmauer umgeben von einer Säulenhalle aus 58 schlanken, 12flächigen Pfeilern auf würfligen Füssen. Jede der drei Seiten hat ein Thorgebäude, aber nur das östliche ist offen.
Die vierte Seite, nach Westen, d. h. nach der Richtung (Kibla), in welcher von Indien aus das Grab des Propheten liegt, wird von der Moschee eingenommen. Dieselbe öffnet sich nach dem Hof in sieben zusammengesetzten, auf Pfeilern ruhenden Spitzbögen von grosser Schönheit, wird überdacht von einer Reihe zierlicher Kuppeln und gekrönt von drei mächtigen Domen. Fergusson erklärt, dass er kein andres Gebäude der Art von so reinem und anmuthigem Stil kennen gelernt habe.
Längs der ganzen Vorderseite über den Bögen läuft eine Inschrift aus schwarzem Marmor, der in den weissen eingelegt ist, des Inhalts, dass diese Moschee einer kostbaren Perle verglichen werden kann, da sie allein vollständig mit Marmor bekleidet ist.
Die Moschee, welche nahezu drei Mal so breit wie tief (142:56′) und durch einige Stufen gegen den Hof erhöht ist, besteht aus drei Schiffen von je sieben Abtheilungen. Die zusammengesetzten Pfeiler, mit blumigem Relief an Fuss und Knauf, sind mit einander, sowohl der Breite als auch der Tiefe nach, durch die schönen, siebenfach eingeschnittenen Spitzbögen verbunden. Wenn man von der einen der beiden äusseren Ecken hineinblickt, ist das Bild der sich verjüngenden und einander schneidenden Bögen von unbeschreiblicher Anmuth.
Der Fussboden, wie alles, mit Marmor belegt, ist gleichsam in rechteckige Gebet-Teppiche abgetheilt, deren Anzahl sechshundert beträgt. Die Perlmoschee ist von 1648 bis 1655 von Schah Jahan erbaut worden. Während des Meuterkrieges diente der heilige Ort zum Krankenhaus. Der ganze Bau ist so neu und frisch, als wäre er gestern fertig geworden.