In einer Umgitterung werden einige geschichtliche Andenken aufbewahrt: ein zerschlissener Sessel, auf dem irgend ein General oder Gouverneur, ich habe vergessen, welcher, zu sitzen pflegte; und die berüchtigten Thore von Somnath. Im Jahre 1024 n. Chr. stürmte und plünderte Mahmud Ghazni die Hindu-Stadt Somnath in Gujarat, zerstörte den heiligen Schiwa-Tempel und schleppte mit der gewaltigen Beute auch das Sandelholz-Thor des Heiligthums fort.

1842, nach dem erfolglosen Krieg mit Afghanistan, liess Lord Ellenborough das Thor von Mahmud’s Grab aus Gazni prahlerisch durch Indien schleppen, als „Genugthuung für Somnath’s Plünderung.“ Aber die Hindu-Priester verweigerten die Annahme.

Das Thor ist übrigens aus Ceder-Holz, saracenische Arbeit, und wohl eine plumpe Fälschung, wenngleich in der kufischen Inschrift der Name Subuktugin vorkommen soll.

Am besten wäre es, dieses Siegeszeichen (?) — zu verbrennen oder wenigstens dem Blick der urtheilsfähigen Betrachter zu entziehen.

Südlich von Schah Jahan’s Palast liegt der von Jahangir, unmittelbar nach Akbar’s Tode aus rothem Sandstein in reinem Hindu-Stil ohne Bogen oder Gewölbe erbaut. Von seinem Dach, dem höchsten Punkt in der Festung, hat man einen prachtvollen Ueberblick über das Ganze und kann im Geiste die Ruinen wieder aufbauen und mit der glänzenden Schaar beleben, die von europäischen Reisenden des 17. Jahrhunderts so farbenprächtig geschildert worden ist.

Gegenüber dem Delhi-Thor der Festung liegt die Hauptmoschee der Stadt (Jumma Musjid), 1634 bis 1644 von Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara im Mogul-Stil erbaut.

Das Hauptthor wurde von den Briten zur Zeit der Meuterei niedergerissen, da es die Festung bedrohte. Jetzt ist an der Treppe ein Gewirr von Buden angesiedelt. Jede der drei Abtheilungen der Moschee öffnet sich in den Hof mit einem schönen Bogen und wird gekrönt mit einem Dom, der aus weissen und rothen Steinen in gezackten Linien erbaut ist.

Sehr bald befreundete ich mich mit dem Lehrer der Koran-Schule in den offenen Seitenhallen des Hofes und mit den Schülern. Ich liess sie aus dem Koran vorlesen und übersetzen sowie abschreiben. Jede Klasse hatte ihren Prunkschüler, der voll Stolz seine Leistungen zeigte. Aber zum Schluss verlangten sie auch nach morgenländischer Sitte ein Geschenk von dem Sahib.

Es ist merkwürdig, wie wenig die Hindu, trotz ihrer Mehrzahl, gegen die Mohammedaner in Agra zur Geltung kommen.