4) Von den Privatgemächern kann man wegen der Zerstörung keine rechte Vorstellung mehr sich bilden; einigermassen erhalten sind die Bäder, drei Marmorgemächer, mit Domen gekrönt und von oben durch gefärbte Glasfenster erleuchtet.

5) Dicht dabei ist die kleine Perl-Moschee aus weissem und grauem Marmor; sie hat drei Bögen und drei Dome und ist innen ganz mit flacherhabener Arbeit geschmückt. Sie wurde 1635 von Aurangzeb erbaut und kostete 160000 Rupien.

Man könnte sich wundern, in dem grossen Palast nur eine so kleine Moschee zu finden. Aber ganz in der Nähe des südlichen Palastthores liegt die Jumma Musjid, die als Hof-Kirche benutzt wurde.

Das ist das bedeutendste Bauwerk in der Stadt Delhi ausserhalb der Veste, eine der grössten und schönsten Moscheen auf der ganzen Erde. 5000 Arbeiter waren sechs Jahre lang daran thätig; die arabische Inschrift nennt als Jahr der Vollendung dasjenige, in welchem Schah Jahan — von seinem Sohn Aurangzeb abgesetzt worden. (1658, nach unserer Zeitrechnung.)

Auf einem mächtigen Unterbau erhebt sich die offene, mit 15 Fuss langen Architraven aus Sandstein gedeckte, zinnengekrönte Säulenhalle, welche an jeder der vier Ecken mit einem Thürmchen geschmückt ist und den Hof von drei Seiten umgiebt, während die vierte Seite von der Moschee selber eingenommen wird. In der Mitte jeder der drei Seiten der Halle führt eine stattliche, unten 150 Fuss lange Freitreppe von 36 Stufen empor zu einem Thorgebäude. Das hauptsächlichste, östliche, der Moschee gegenüber, hat das Aussehen eines dreistöckigen Gebäudes durch die drei Reihen von Spitzbogenfenstern und in der Mitte ein gewaltiges bis oben reichendes Spitzbogen-Thor, darüber eine Gallerie mit fünfzehn kleinen Marmor-Domen und sechs Thürmchen. Die Thür im Hintergrund des Bogens ist massiv und mit dicken Arabesken belegt.

Der Hof, welchen wir nun betreten, ist mit Granit- und Marmorplatten schön gepflastert, und quadratisch mit einer Seitenlänge von 325 Fuss. In der Mitte liegt das übliche Marmor-Becken für die Abwaschungen.

Die Moschee selber ist 200 Fuss lang und 120 Fuss tief. Sie öffnet sich nach dem Hof mit zwei Mal fünf kleineren und einem grösseren mittleren Spitzbogen, ist zierlich aus rothem Sandstein und weissem Marmor erbaut, an der Vorderseite mit Zinnen gekrönt, oben von drei Marmordomen überragt, an den beiden Ecken mit dreistöckigen, 130 Fuss hohen Minarets geschmückt, deren Besteigung eine lohnende Aussicht auf die Stadt gewährt. Im Innern sind Fussboden, Decke und Wände vollständig mit Marmor bekleidet.

Der Fussboden der Moschee ist mit weissen, schwarzgesäumten Marmorplatten von 3 Fuss Länge und 1½ Fuss Breite gepflastert; jede stellt einen Gebet-Teppich dar, deren Zahl nach der Rechnung[533] über 5000 beträgt. Aber am Freitag Nachmittag drängen sich hier 10000 Gläubige zusammen.

In der Nordost-Ecke der Säulenhalle ist ein Pavillon mit alten Handschriften des Koran, einer kufischen aus dem 7. Jahrhundert n. Chr., und mit Reliquien Mohammed’s, z. B. einem Haar aus dem Bart des Propheten. Der fromme Mann, welcher diese heiligen Dinge dem Ungläubigen zeigt, ist unzufrieden, wenn letzterer ihm nicht eine Rupie spendet.