Schaaren von Tauben beleben den Markt, Ochsenfuhrwerke beengen den Platz. Uebrigens sind hier zu Lande die ältesten Ochsen Grünhörner im wahren Sinne des Wortes, d. h. ihre Hörner sind mit grüner Farbe bestrichen. Gelegentlich kommt ein Kameel oder Elephant. In verschlossenen Sänften werden Tänzerinnen vorübergetragen. Unablässig fluthet der Menschenstrom. Das ganze Bild hat für uns Nordländer etwas Märchenhaftes. Alle Leute scheinen freundlich und zuvorkommend. Die echten Rajput, mit schön gepflegtem Backenbart, welche das Schwert in der Scheide ohne Gehänge in der Hand, wie wir den Spazierstock, tragen, sind voll Würde und Selbstbewusstsein, ganz andere Leute, als die Bengali. Gelegentlich sprengt auch auf weissem Ross ein adliger Rajput vom Lande einher, bis an die Zähne bewaffnet, mit Flinte, Pistole, Schwert und Dolch, während seine Leute ihm schreiend Platz zu machen suchen.

Der Palast des Maharajah, von einer zinnengekrönten, noch von Jai Singh erbauten Mauer rings umgeben, liegt in der Mitte der Stadt und bedeckt mit seinen Gärten ein Siebentel ihrer Flächenausdehnung.

Nahe dem Haupteingang erhebt sich der Himmelsthurm, der von dem Rajah Ischwari erbaut wurde, um die Stadt zu überschauen, aber dem gewöhnlichen Sterblichen nicht zugänglich ist.

Die Soldaten in den Wachtstuben sind gemüthliche Kerle, in rother, zerschlissener Uniform, zum Theil mit alten Feuerstein-Flinten — ohne Stein. Höchst seltsam sehen einige ältere aus, die nach der in Indien üblichen Sitte ihr graues Haar fuchsroth gefärbt haben.

Der Haupttheil des Palastes (Chandra Mahal) ist ein in sieben sich verjüngenden Stockwerken mit luftigen Hallen emporsteigendes Gebäude aus neuerer Zeit, — wenn man will, in indisch-italienischem Stil; unzugänglich, da es die Privatgemächer des Herrschers und die Zimmer der Frauen enthält.

Offenbar ist der Geschmack durch europäischen Einfluss rasch verschlechtert worden. Denn die in dem schönen, schattigen Garten gelegene zierliche Audienzhalle aus weissem Marmor hat jüngst eine schreckliche Bemalung bekommen; und die Billard- und Garten-Zimmer sind leider in dem europäischen Ungeschmack der heutigen Zeit eingerichtet.

Ein andrer Theil der Palastbauten, der einzige, den man von der Strasse aus sehen kann, ist die Halle der Winde (Hawal Mahal), auch von Jai Singh, sechsstöckig sich verjüngend, mit zahllosen, kleinen, unregelmässig angeordneten Fensterchen und Kuppeln, — von den Begeisterten, wie Sir Edwin Arnolds, hoch gepriesen,[549] aber in der That ein mehr abenteuerlich-kühnes, als schönes Machwerk aus Stuck.

Jetzt wohnt hier, wie ich hörte, die Mutter des Fürsten.

Innerhalb der so geräumigen Umwallung des Palastes liegt noch eine Waffensammlung, ein Parade-Platz, ein Gerichtsgebäude und eine Staatsdruckerei.

Ferner eine Sternwarte, die natürlich von Jai Singh herrührt, aber unter seinen unkundigen Nachfolgern in Trümmer gesunken ist.