Besser gehalten sind die Ställe, wo gute Araber-Rosse für den Fürsten gepflegt werden. Mit Begeisterung zeigt man dem Reisenden den Gold- und den Silber-Prunkwagen des Fürsten und ist erstaunt, wenn jener nicht in die Bewunderung einstimmt.

Merkwürdiger ist uns die stattliche Heerde von Elephanten, die auf einem grossen Hof angekettet sind; zum Theil Reit-Thiere, deren Bekanntschaft ich bald machen sollte, zum Theil bestimmt, bei festlichen Gelegenheiten mit einander zu kämpfen.

In der Nähe dieses Hofes liegt, grade ausserhalb der Stadtmauer, der Krokodil-Teich.[550]

Eine steile Böschung mit 3 Fuss hoher Ufer-Mauer schützt den Garten; aber die Wiese jenseits des Teiches ist ungeschützt: gelegentlich sollen die Krokodile auch nächtliche Wanderungen nach dem See von Amber unternehmen. Die riesigen und hässlichen Thiere ruhen träge auf einer flachen, schlammigen Halbinsel und werden durch lautes Geschrei der Einheimischen, Männer und Knaben, die um den Reisenden sich versammelt haben, ermuntert und angelockt und schwimmen (aber nicht pfeilschnell, wie es in Kinder-Büchern heisst, sondern hübsch langsam,) auf die Böschung zu. Mein Führer hatte schon 8 Annas von mir erbeten und ein Hammelgekröse mit Lungen und Leber gekauft und an einen langen Strick festgebunden. Jetzt beginnt die Neckerei. Das Ungethüm sperrt den ungeheuren Rachen auf und erwartet in seiner Faulheit, dass ihm die Atzung hinein geworfen werde. Aber man wirft sie daneben und zieht sie schnell fort, ehe das Thier sich wenden und zuschnappen konnte; und wenn es ihm schliesslich gelungen ist, einzubeissen und zu schlucken, so zieht die ganze Mannschaft aus Leibeskräften am Seil, bis dieses zerreisst und das Ende mitsammt der Speise in den Magen des Reptils verschwindet.

Ein höchst anmuthiges Bild gewährt eine behende Gabelweihe, die in raschem Fluge, sozusagen aus dem Rachen des Krokodils, ihren Antheil an der Beute herausholt.

Bei meinem Hin- und Herfahren hatte ich zwei Mal Gelegenheit, den Fürsten zu sehen. Derselbe zeigt sich dem Volke ohne grosse Förmlichkeiten. Im offenen Wagen, von zwei raschen Rossen gezogen, fährt er aus dem Thore des Palastes nach seinem Gartenhaus, gefolgt von einigen gut bewaffneten Lanzenreitern. Es ist ein sehr stattlicher Mann, mit hübschem, leicht gebräuntem Antlitz und gut gepflegtem Bart, in verhältnissmässig einfacher Gewandung; den Gruss des Reisenden erwiedert er ebenso freundlich wie würdevoll.

Tempel giebt es genug in Jaipur, soll doch der Fürst die Hälfte des Staatseinkommens auf Priester und Tempel verwenden; aber grossartig sind diese Bauten nicht. Der berühmte goldne Tempel ist ein offner Hof mit Säulenhallen, die Marmorwände spärlich mit Gold bemalt, im Hintergrund die üblichen Götzen und verschlossenen Schreine.

Ich sah noch ein Paar andre, die auch solche Hallen darstellen und eine Bildsäule von Schiwa’s Stier enthalten. Von weiteren Sehenswürdigkeiten sind noch zu erwähnen die Grabdenkmäler der Fürsten, ausserhalb der Stadt, in einem schönen Garten, dessen Baumwipfel voll sind von ehrwürdigen, graubärtigen Affen; das von Jai Singh ist aus weissem Marmor, besteht aus einem hohen Unterbau, zwölf schön verzierten Säulen, und einem gerippten Dom. (Es sind Leergräber oder Gedenk-Bauten; solche sind erst unter mohammedanischem Einfluss, seit Akbar’s Zeiten, von den Hindu errichtet worden.)

Der alte Garten (Rambagh) mit Häuschen und Kiosk, wohin der träge Führer seinen Reisenden, kopfschüttelnd über diese Unermüdlichkeit, hingeleitete, lohnte kaum das darauf verwendete Stündchen.