Die Menschen sind hier wieder ziemlich dunkel, aber wohlgebildet, nicht gross und nicht sehr kräftig. Mehrere meiner Leute zeigten gar keine Entwicklung der Arm-Musculatur. Kaum halbwegs wollten sie mir einen schlechtgesattelten Ponny aufschwatzen, aber ich folgte ihnen nicht.
Der Weg führt bei einem Dorf vorbei. An der Strasse hat ein Fakir[560] sein Zelt aufgeschlagen. Es ist nicht einmal ein Zelt, sondern ein auf vier Stäben ruhendes Schutzdach aus geflochtenen Blättern, etwa so, wie es unsere Steinklopfer zum Schutz gegen die Sonne gebrauchen. Der fromme Mann ist völlig nackt, mit langem, wirrem Haar, das Gesicht mit Asche beschmiert. Er hat aber eine ganz gut aussehende Frau, die das übliche Tuch trägt, und ein kleines, nacktes Büblein. Die Münze, die ich dem letzteren in die Hand lege, wird mit Dank angenommen; und bei meiner Rückkehr der Kleine mir wieder an den Weg gestellt. Angewiesen ist der Büsser keineswegs auf Almosen, da ihn die Leute aus der Nachbarschaft mit Speise versorgen.
Jenseits einer tiefen Schlucht erglänzt auf steiler Höhe ein weisser Jain-Tempel. Die schwarzen Felsblöcke am Wege zeigen vielfach tiefe, sogar schraubenförmige Löcher, die an ehemalige Gletscher erinnern; auch oben in Abu-Mountain. Die Sonne geht hinter den Bergen unter, Palmen heben sich ab von dem Purpur des westlichen Himmels. Mit dem letzten Tages-Schimmer um 6½ Uhr Nachmittags kommen wir an im Gasthaus.
Immerhin giebt es Gegenden genug in Europa, wo man einen solchen Ausflug, ohne Schutzmassregeln zu treffen, nicht unternehmen würde.
Das Gasthaus ist klein, das Essen schlecht. Obwohl ich einen alten Bekannten vom Dampfer Brindisi antraf und ein angenehmes Plauderstündchen mit ihm verlebte, — hier befiel mich zum ersten Male ernstlich das Heimweh.
Die breitesten und tiefsten Meere habe ich durchschifft, in Sonnengluth und Sturmeswuth; die höchsten Berge habe ich geschaut; ich sah die wunderbarste Ueppigkeit des Pflanzenwuchses, die seltensten Thiere, die merkwürdigsten Menschen, ihre Sitten und Kunst, die herrlichsten und grossartigsten Bauwerke auf der Oberfläche dieses Planeten: doch nun sehne ich mich nach Hause, zu den Meinen, zu meiner Thätigkeit.
Der Ort Abu Mountain liegt in einem reizenden Thale (von 10×3½ Kilometer) und enthält den Wohnsitz des englischen Bevollmächtigten (Residency), zahlreiche Privathäuser, einen Club, Baracken für Soldaten und eine Schule für Soldatenkinder, sowie den sogenannten Bazar, d. h. die Wohnungen der Eingeborenen. Die Erhebung beträgt 4000 Fuss über dem Meere, die Temperatur ist angenehm.
Der schwarze Fels tritt an vielen Stellen schroff zu Tage, in den Ritzen wurzeln prachtvolle Bäume und Cactus-Pflanzen.