Sie bilden wohlhabende, eng zusammenhaltende Gemeinden; sind meist Grosskaufleute und Bankherren, üben grossartige Mildthätigkeit, und unterhalten auch die Siechenhäuser für Thiere, welche in manchen Städten Indiens noch aus der Zeit der Buddhisten zurückgeblieben sind. Sie theilen sich in Yati oder Büsser und Çravaka oder Hörer (Laien). Noch ist die Religionsgenossenschaft lebendig und baut neue, prachtvolle Tempel, wie wir sehr bald in Ahmedabad sehen werden. Aber weit grösser war ihr Einfluss in früherer Zeit; nur ist es sehr schwierig, darüber etwas bestimmtes zu erfahren.
Nach der älteren Ansicht wären die Jaina Ueberbleibsel der indischen Buddhisten, welche vor Ausrottung sich retteten durch eine Verständigung mit der Hindu-Lehre und es durchsetzten, als eine besondere Kaste anerkannt zu werden; in der That nennen die Jaina sich Hindu.
Aber nach neuerer und richtiger Ansicht ist die Jain-Lehre uralt. Unser Landsmann Jacobi hat neuerdings (1884) dargethan, dass Buddha- wie Jaina-Lehre aus dem Brahmanenthum sich entwickelt haben, nicht durch eine plötzliche Reformation, sondern durch religiöse Bewegungen, die lange Zeit vorbereitet gewesen. Jaina-Lehre war die ältere von beiden, wahrscheinlich von Parsvanath begründet und verbessert von Mahavira, der auch Vardhamána, der Vermehrer, genannt wird. Ihre heiligen Bücher wurden am Ende des 4. Jahrhundert v. Chr. verfasst oder gesammelt, und aufgeschrieben im 5. Jahrhundert n. Chr. Die Jaina zerfielen in die beiden Secten der Swetambara oder Weissgekleideten und Digambara oder Nackten (Luft-gekleideten) zwei oder drei Hundert Jahre nach dem Tode des Stifters; und diese Theilung besteht noch heutzutage, obwohl die nackten Büsser (Digambara Yati) jetzt Nacktheit nicht mehr öffentlich zur Schau tragen. Der Streit zwischen den Nackten und Bekleideten wird schon in den kanonischen Büchern angedeutet: in den Edicten von Asoka (264 v. Chr.) wird die Secte der Nigantha (Nirgrantha, die jedes Band fortgeworfen), in den Kupferplatten-Inschriften von Mysore aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. aber beide Secten der Jaina erwähnt.
Der Wörterbuch-Verfasser Hesychius, im 3. Jahrhundert n. Chr., war offenbar gut berichtet, als er Γέννοι durch Γυμνοσοφισταί übersetzte.[567]
Gestern war der Himmel tadellos rein blau gewesen, heute zeigt er am Horizont einige wenige Wölkchen. Nachmittags fahre ich in Jinrikisha wieder bergab mit denselben Leuten, die mich tags zuvor nach oben gebracht, und die nach dem Empfang des zweiten Trinkgelds von einer Rupie in der Nähe des Bahnhofes ein Freudenfeuer anzünden, um das sie sich zum Schmause lagern.
Ahmedabad.
Abends 9½ Uhr fahre ich von Aburoad nach Ahmedabad,[568] wo ich Morgens 6 Uhr ankomme. (Ortszug der Bombay, Baroda and Central India Eisenbahn, 104 englische Meilen = 166 Kilometer in 8½ Stunden, also kaum 20 Kilometer in der Stunde, für 9 Rupien.)