Guzerat hat seinen Namen von einem Volksstamm (Guzera oder Gudschara), der aus dem Punjab über Rajputana eingewandert war und dem Land zwischen 400 und 800 n. Chr. seine Herrscher gegeben. Um das Jahr 1100 hielt die Jaina-Religion ihren Einzug und beschränkte die Macht der Brahmanen.
Im Jahre 1294 wurde Guzerat Provinz des mohammedanischen Kaiserreiches von Delhi.[571]
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurden die Statthalter mächtig. Muzaffar, ein zum Islam übergetretener Rajput, wurde von dem Tughlak-Kaiser Feroz Schah zum Statthalter (Sultan) von Guzerat eingesetzt. Sein Sohn Muhamed Schah machte sich selbständig. Dessen Sohn Ahmed Schah erbaute 1411, auf dem Grund einer alten Hindu-Stadt (Asaval), am linken Ufer des Flusses Sabarmati, die nach seinem Namen benannte Stadt Ahmedabad, stattete sie mit breiten Strassen, prachtvollen Moscheen, Palästen, Festungsbauten aus und machte sie zu einem Mittelpunkt der Kunst, des Gewerbefleisses und des Handels. Unter seinen mächtigen Nachfolgern wuchs die Stadt an Grösse und Reichthum und an Zahl und Schönheit der öffentlichen Bauten. Nach Mahmud Begada (1459–1511) begann die Macht der Guzerat-Könige zu sinken. Der Handel nahm ab durch den Wettbewerb der Portugiesen, die Hauptstadt verarmte unter den steten Kämpfen des unruhigen Adels. 1572 wurde von einer Partei desselben Akbar herbeigerufen, drang ohne erheblichen Widerstand in Ahmedabad ein und machte Guzerat zu einer Provinz des Mogul-Reiches, die von einem Vicekönig verwaltet wurde. Jetzt begann eine neue Blüthezeit für Ahmedabad, das eine Bevölkerung von 900000 Einwohnern erlangte; 1695 war es, nach dem Zeugniss europäischer Reisenden, „die grösste Stadt in Indien, an Seide und Brocat nicht geringer als Venedig.“ Von der Geschicklichkeit seiner damaligen Arbeiter in Baumwolle, Seide und Goldbrocat stammt das Volkssprichwort, „sein Wohlstand hänge an drei Fäden: Baumwolle, Seide, Gold.“[572]
Nach dem Zerfall des Mogul-Reiches (1707) begann wiederum eine Zeit der Unordnung, die Marathen drangen ein, plünderten, eroberten die Stadt, bis dieselbe 1818, nach dem Untergang der Marathen-Macht, in den Besitz der Engländer gelangte und jetzt, nach zweimaligem Wechsel zwischen Blüthe und Verfall, eine neue Zeit des Aufschwungs erlebt.
Allerdings die Baumwollenweberei erhielt 1820 den Todesstoss durch Einfuhr englischer Waaren. Die Seidenweberei ging seit 1875 zurück, da der neue Fürst (Gâekwâr) von Baroda jährlich nur für 160000 Mark bestellte, — sein Vorgänger für 1½ Millionen.
Noch jetzt hat die Stadt, die mit dem 3½ englische Meilen in nordöstlicher Richtung entfernten Cantonment 148000 Einwohner[573] zählt, ihre alte Mauer mit Thürmen in Abständen von 150 Fuss und umschliesst ein Gebiet von 5 Quadratkilometern. Die zwölf Thorwege enthalten mächtige Thore aus Teakholz, die mit eisernen Spitzen gespickt sind, zur Vertheidigung gegen die Elephanten, welche abgerichtet waren, mit ihrer Stirn die Thore einzurennen.
Die Westseite der Stadtmauer grenzt unmittelbar an den Sabarmati-Fluss, der in den Meerbusen von Cambay sich ergiesst und ganz neuerdings mit einer recht stattlichen Eisenbrücke überspannt ist. Seine Breite beträgt 600 Meter, aber im Winter nur 100. Längs der Ostseite der Stadt zieht die Eisenbahn hin.
Merkwürdiger Weise ist Ahmedabad den europäischen Reisenden wenig bekannt und wird in deutschen Reisebüchern fast gar nicht besprochen; und doch ist die Stadt nächst Agra und Delhi die bedeutendste mit Rücksicht auf die vollendete und eigenartige Form ihrer hindu-saracenischen Baukunst. Die Kunst der durch Jahrhunderte lange Uebung gebildeten Guzerati war so gross, dass sie die mohammedanischen Eroberer eroberte; der Stil ist hier am meisten indisch geblieben. Die Gestalt ihrer Verzierungen ist gradezu unübertrefflich.
Zuerst fahren wir nach der Hauptsehenswürdigkeit, der Jumma Musjid. Dieselbe steht in der Mitte der Stadt an der Südseite der ostwestlichen Hauptstrasse (Manik Chauk).
Obwohl nicht sehr gross (382×258′), ist sie eine der schönsten Moscheen des Ostens. Durch ein einfaches Thor von Norden her betritt man den gepflasterten, von einer Halle umgebenen Hof; ein zweiter Eingang zu demselben ist von Süden. Nach Osten liegt das Grabmal des Erbauers, nach Westen die eigentliche Moschee, die 210×95 Fuss, also 20000 Quadratfuss misst.