Drei Spitzbogen-Eingänge führen hinein, der mittlere ist höher und zu jeder Seite eingefasst von einem ausserordentlich zierlich gegliederten und mit den feinsten Verzierungen geschmückten Minaret, der allerdings als solcher schwer zu erkennen ist, da er jetzt nur noch 43 Fuss hoch ist und mit dem zinnengekrönten Dach abschneidet; die obere Hälfte jedes der beiden Thürme[574] ist durch ein Erdbeben am 16. Juni 1819 herabgestürzt. 250 Jain-Säulen (freilich ohne Bildwerk[575]) tragen das Dach, das mit fünfzehn Kuppeln geschmückt ist; die drei mittleren sind grösser und höher, als die andern.

Durchbrochene Steinfenster von wunderbarer Arbeit an den Hinter- und den Seiten-Wänden lassen ein mildes, gedämpftes Licht einfallen.

In der rechten Ecke ist eine steinerne Empore für die Damen des Hofes, eine Unregelmässigkeit, aber nicht Unschönheit des Bau’s. Der Sitz des Sultans ist oben in der Mitte.

Oberhalb der drei Gebetnischen (Kiblah) sind auf Marmor die folgenden Inschriften in zierlich-arabischen Buchstaben eingemeisselt: „Diese hohe und weite Moschee wurde errichtet von dem Sklaven, der vertraut auf die Gnade Gottes, des mitleidigen, des allein zu verehrenden. — Der Koran sagt, wahre Moscheen gehören Gott an, verehre keinen andern neben ihm. — Der Sklave, der auf Gott vertraut, ist Ahmed Schah, Sohn von Muhamed Schah, Sohn von Sultan Muzaffar.“

Dass diese Muselmänner nicht sehr duldsam waren, zeigt der schwarze Trittstein vor dem Haupteingang der Moschee; derselbe stellt eine umgedrehte Jaina-Heiligenbildsäule dar, auf welche die Gläubigen ihren Fuss setzen.

An der Ostseite des Hofes liegt das Grabdenkmal von Ahmed Schah. Es ist ein viereckiges Gebäude, mit einem Dom, einer Vorhalle von achtzehn Pfeilern und mit Fenstern aus durchbrochener Steinarbeit. Der Hauptraum stellt ein Quadrat von 36 Fuss Seitenlänge dar, ist mit Marmor verschiedener Farben gepflastert und enthält die marmornen, mit Blumenschmuck schön verzierten Leersärge des Schah Ahmed sowie seines Sohnes Muhamed und seines Enkels Kutb. Ganz in der Nähe sind die Gräber der Königinnen, höchst anmuthig in den Verzierungen der Särge und der durchbrochenen Fenster.[576]

Ganz regelmässig ist den Särgen eine Verzierung eingemeisselt, bestehend aus einem Räuchergefäss, dass mittelst eines Kettchens an der „Himmelsblume“ aufgehängt ist: dies dürfte nicht mohammedanisch, sondern echt hindostanisch sein.

Alle Moscheen von Ahmedabad sind ebenso gebaut wie die „Grosse.“ An der Westseite des mächtigen Hofes liegt die mit zwei Thürmen (Minarets) versehene eigentliche Moschee, in welcher die Gläubigen sich zum Gebet versammeln, und welche ausser der westlichen Nische, die nach Muhameds Grab zeigt (Kiblah), noch den Platz enthält, an dem der Koran gelesen wird. (Mimbar.) In der Mitte des Hofes ist der Brunnen zu den vorschriftsmässigen Abwaschungen. An der Ostseite desselben liegt ein Garten oder Hof mit dem Grabdenkmal (Roza) des Begründers. Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts, in ihrer Hauptblüthezeit, enthielt die Stadt an 1000 Moscheen und Gärten.

Von der Hauptmoschee führt die Hauptstrasse nach Westen. Das Untergeschoss jedes Hauses enthält Läden mit vorspringendem Schattendach. Auf der Strasse wogt die lebhafte Menge der Fussgänger, so dass die Ochsenfuhrwerke und die Wagen nur langsam vorwärts kommen. Gradeaus vor uns erhebt sich, die Strasse kreuzend, Ahmed Schah’s dreifaches Thor (Tin darwaza), ein mächtiges Bauwerk mit reicher Bildhauerverzierung.