Gleich danach folgt die ebenfalls von Ahmed Schah 1411 erbaute Burg (Badr genannt nach einem nahe gelegenen Tempel der Göttin Badra Kali, der Gattin Schiwa’s); der von dem 23. Vicekönig der Mogul, Azam Khan, 1636 erbaute Palast, zwei gewaltige Thürme mit Zwischengebäude, jetzt als Gefängniss benutzt; die Rubin-Bastion (Manik Burj), um den Grundstein der Stadt erbaut, und, in der Nordostecke der Umwallung, Sidi Said’s Moschee, jetzt allerdings für die örtliche Verwaltung benutzt. Aber die durchbrochene Marmorarbeit zweier Spitzbogenfenster lohnt allein schon die Reise nach Ahmedabad.
Das eine enthält in gleichen Abständen vier Palmen und drei gewöhnliche Bäume, die in blumige Ranken sich auflösen und die ganze Fläche füllen. Das zweite besteht aus einem Rankenbaum, der eine Palme umschlingt. Die feinsten Fensterausfüllungen in Agra und Delhi reichen nicht an die Schönheit dieser Kunstleistung heran. Die pflanzliche Verzierung ist naturähnlicher, als irgend ein Schmuck-Glied, das jemals die besten Baumeister der Griechen und des Mittelalters ausgeführt haben.
Nunmehr fahren wir zurück von der Mitte der Ostseite nach dem Südwestthor der Stadt, woselbst Moschee und Grabdenkmal der Rani Sipri liegen. Dieselbe war Schwiegertochter von Ahmed Schah und hat 1436 die Gebäude errichten lassen, die zu den zierlichsten nicht bloss in Ahmedabad, sondern auf der ganzen Erde gehören.
Sie sind aus rothem Sandstein, die durchbrochene Arbeit in den Fenstern aus weissem Marmor.
Die Moschee ist nur 54 Fuss lang und 19 Fuss tief. Vor dem Eingang stehen sechs Doppel-Pfeiler, dahinter noch sechs einfache, nur 10 Fuss hoch. Die beiden vierstöckig sich verjüngenden Minarets sind 50 Fuss hoch. Die ganze Fläche des Gebäudes, der Pfeiler, der Thürme sind ein Triumph des Bildhauers.
Das Grabmal ist quadratisch, von 36 Fuss Seitenlänge, die Flächen zwischen den Pfeilern ganz in Fenster von zierlich durchbrochener Arbeit aufgelöst, mit Zinnen gekrönt, mit vier Eckkuppeln geschmückt und einer grösseren Mittelkuppel, die auf dem verjüngten Oberstock ruht.
1¼ Kilometer südöstlich von dem Thor liegt der Kankariya- oder Bergkrystall-See, 1451 von dem Sultan Kutbudin angelegt und 1872 von Herrn Borrodaile, dem Collector, wieder in Ordnung gebracht. Sein Umfang misst ¼ deutsche Meile (6460 Fuss) und bildet ein regelmässiges Vieleck von 34 Seiten, deren jede 190 Fuss lang ist; sein Flächeninhalt beträgt 72 Acres oder gegen 29 Hektaren. Es ist die grösste Anlage dieser Art in Nordwest-Indien. Von dem Südende führt ein Damm mit Spazierweg zu einer in der Mitte belegenen Insel, auf der, inmitten von Palmen und violettblühenden Bäumen mit prachtvollem Grün, eine Erholungshalle angebracht ist.
Ausserhalb der Thore an den Landstrassen trifft man Rudel von weissbärtigen Affen, die hier ebenso frech sind, wie bei uns die Sperlinge.
Noch weiter südlich, 3¼ Kilometer von der Stadt, liegt das Grabmal von Schah Alam, welcher Sohn eines Heiligen und geistlicher Berather von Mahmud Begada gewesen und 1495 gestorben ist. Die durchbrochene Arbeit aus Marmor an dem kuppelgekrönten Gebäude und aus Bronze an den Gitterthüren um den Marmorsarg spottet jeder Beschreibung. Wunderbar ist die Wirkung des abgedämpften Lichtes. Die Minarets der Moschee von 90 Fuss Höhe haben sieben Stockwerke mit Rundgängen.