Zum Schluss kommt die Betrachtung der Bazare.
Goldschmied-[577] und Edelstein-Werke, Kupferschmied-Arbeiten, Holzschnitzereien, deren Kunst auch an den Pfosten der gewöhnlichen Wohnhäuser, namentlich der älteren, bewundert werden kann, Elfenbeinschnitzereien, Lederarbeiten, Baumwollengewebe, auch schön bedruckt, Seidengewebe, auch mit Gold- und Silberfäden, Brocate, Gold- und Silberstickereien, Teppiche, Töpfer-[578] und Papier-Waaren, — alles wird dem kauflustigen Fremden in grosser Auswahl angeboten.
Die Handwerke in Ahmedabad sind geordnet in Gilden und Zünfte. Der Sohn lernt des Vaters Kunst; so ist durch Jahrhunderte lang fortgesetzte Uebung eine hohe Ausbildung erreicht worden. Verstösse gegen die Gesetze der Gilde werden durch bedeutende Geldstrafen geahndet. Der Oberste aller Gilden (Nagar Seth) wird auch von den britischen Behörden als Stadt-Haupt anerkannt.
So war ich denn in einem halben Tag mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt fertig geworden. Gleich nach Tisch fuhr ich wieder aus zu weiteren Besichtigungen.
Natürlich sahen wir noch einige der tausend Moscheen, zunächst die innerhalb der Stadt, nicht weit vom Delhi-Thor belegene der Königin (Rani Musjid), die wahrscheinlich zur Zeit von Ahmed Schah erbaut worden ist.
Jedes der drei Schiffe ist durch einen Spitzbogen zugänglich und von einem Dom gekrönt, die Moschee 100 Fuss lang und 44 Fuss tief, 33 Fuss hoch, ohne die Kuppeln, von vortrefflichen Verhältnissen. Die Säulen, welche die mittlere Kuppel tragen, sind doppelt so hoch, als die für die seitlichen; zwei Reihen von Zwergsäulen auf dem Dach der Seitenflügel gleichen die Höhe aus, ihre Zwischenräume sind von durchbrochener Arbeit ausgefüllt. So kommt Luft hinein und Licht,[579] aber nie der Sonnenstrahl selber. Die beiden seitlichen Minarets reichen nur so hoch, wie die Fassade; es ist unbekannt, ob sie unvollendet geblieben oder durch Erdbeben wieder theilweise zerstört worden. Sie sind in reinem Hindu-Stil erbaut. In dem Grabdenkmal sind zwei Leersärge aus Marmor, wieder mit Kette und Rauchgefäss.
In der Nähe ist die Moschee von Mohammed Chisti aus dem Jahre 1565, mit der allerschönsten durchbrochenen Arbeit, die in Ahmedabad zu finden.
Hierauf besichtigte ich einen grossartigen neuen Jain-Tempel, den, ganz in der Nähe des Rasthauses, ein reicher Wohlthäter, Hati Singh, nebst einem Obdach für Pilger, mit einem Kostenaufwand von 2 Millionen Mark erbaut. Man sieht, auch diese Religion ist noch lebendig, lebendig ist die werkthätige Liebe der Jain, die übrigens in der Stadt eine Zufluchtsstätte für alte und kranke Thiere (Panjrapol) erbaut haben und unterhalten, sowie ausserordentlich zahlreiche, schön geschnitzte und bemalte Futterhäuschen für Vögel auf hohen Pfeilern.
Der Jain-Tempel ist in seiner Einrichtung ähnlich denen vom Berg Abu, auch reich geschmückt, wenngleich nicht so kostbar, wie jene, und überaus sauber gehalten. Der Bau ist 150 Fuss lang und 100 Fuss breit. Jede der 50 Zellen um die Halle des Hofes hat ein Heiligenbild und ihr besonderes Spitzdach, das Pflaster besteht aus Marmorwürfeln.
Die mittlere Säulenhalle mit Dom führt zu der von drei hohen Spitzthürmen überragten Haupt-Zelle, in der das Bild des Jain-Heiligen (angeblich des Dharmmanatha, des 15ten der 24 Thirthankara), mit Diamanten geschmückt, sichtbar ist. Die Leute zeigen mir alles und sind nicht so unduldsam, wie die Hindu.