Danach kamen die Wasserwerke an die Reihe, die ebenso wenig wie der Jain-Tempel in Murray’s Buch Erwähnung gefunden. Ein Tiefbrunnen ist gegraben; eine Dampfpumpe, die für 40000 Rupien aus England bezogen wurde und in täglich achtstündiger Wirksamkeit den Bedarf deckt, hebt das Wasser auf einen hohen Thurm in einen mächtigen Eisenbehälter von 18 Fuss Höhe. Der Stand des Wassers ist aussen ersichtlich. Die von dem Werk versorgten Brunnen in der Stadt sind für die hiesige Gegend ausserordentlich zweckmässig eingerichtet: es sind Steinwürfel mit etwa sechzehn Wasserhähnen draussen am Umfang, so dass zu den bestimmten Tageszeiten, wo Wasser gebraucht wird, dasselbe leicht und rasch entnommen werden kann.
Der Ingenieur der Wasserwerke, ein junger Parsi, zeigt mir alles auf das eingehendste. Mit morgenländischer Neugier fragt er mich nach meiner Heimath. Als ich Berlin nenne, fasst er meine Hand, und bittet um einen Gefallen, nämlich ihm eine Beschreibung der weltberühmten Wasserwerke meiner Heimathsstadt zu senden. Ich verspreche ihm das, aber beim Scheiden sagt er feierlich: „Wir Parsi halten unser Wort heilig. Ich hoffe, du wirst dein Versprechen halten.“ Ich war ein wenig geschmeichelt von dem Ruhm meiner Heimathsstadt und habe ihm auch, mit Hilfe unsres vortrefflichen Director Gille, seinen Wunsch erfüllt.
Den Schluss machte die Besichtigung des Hospitals, dessen Arzt ein Eingeborener war. Trotzdem auch hier eine unentgeltliche Impf-Stelle ist, sah ich in der Stadt sehr viele Menschen mit Pockennarben, auch viele, die durch Pocken-Krankheit einäugig geworden.
Die Rechnung, die mir der biedre Rasthaus-Halter machte, zeigte mir, dass man auch unter einfachem Dach ganz ebenso viel verbrauchen kann, wie in dem grössten und prachtvollsten Gasthaus. Allerdings hatte ich mir hier, wo das Rasthaus am Thore einer grossen Stadt liegt, den Aufwand erlaubt, zu jeder der beiden Mahlzeiten eine Flasche Bier zu bestellen.[580]
Bombay.
Abends fahre ich von Ahmedabad ab und bin Morgens früh, am 23. December, nach etwa zwölf Stunden, in Bombay. (Church-Gate-Station. — 310 englische Meilen = 496 Kilometer, für 20 Rupien.) Da ich, durch meine Erfahrung in Calcutta belehrt, rechtzeitig vorher geschrieben und von Ahmedabad noch Drahtnachricht gesendet; so finde ich mein Zimmer in Watson’s Esplanade Hotel, dem besten in Indien.
Ich fahre zum Consul, zur Post, zum Bevollmächtigten des östreichischen Lloyd, um mir eine Cajüte für die Heimfahrt zu sichern, zu einem Parsi-Arzt, dessen Bekanntschaft ich schon in Canada gemacht, und kann alsdann die Besichtigung der zweiten Hauptstadt von Indien beginnen.
Bombay,[581] das Auge von Indien, das nach Westen schaut, die Eingangspforte, wo fast alle Reisenden, die von Europa nach Indien fahren, jetzt landen, und umgekehrt fast alle, die von Indien nach Europa zurückkehren, sich einschiffen, zählte im Jahre 1669, als König Karl der Zweite für einen Jahreszins von 10 Pfund Sterling die Insel an die ostindische Gesellschaft abtrat, kaum 10000 Einwohner; jetzt hat es 820000, darunter 500000 Hindu, 200000 Mohammedaner, 50000 Parsi, 12000 Europäer.