Vor dem Festland liegt hier eine Gruppe von zwölf Inseln, welche sowohl von jenem, wie auch von einander nur durch schmale und schmalste Wasserstrassen geschieden sind. Von diesen Inseln ist Bombay, nachdem sie sich zwei der kleinsten Inselchen (Colaba und die Alt-Weiber-Insel) durch Dämme angegliedert, die südlichste; ungefähr unter 18 Grad 53′ nördlicher Breite und 72 Grad 52′ östlicher Länge. Die Insel Bombay hat 11,5 Kilometer Länge, 3,5 Breite und etwa 55 Quadratkilometer Flächeninhalt,[582] und ungefähr die Gestalt einer länglichen, unregelmässigen Krebsscheere, deren beiden Spitzen nach Süden gerichtet sind. Die kürzere, östliche Spitze ist Malabar-Hügel, der Wohnsitz der Reichen; die längere westliche Kolaba, das Hauptquartier des Baumwollenhandels. Zwischen beiden liegt die seichte Hinterbucht (Back Bay).
Nördlich von Kolaba, an der Ostseite der hier noch schmalen Insel, liegt die alte Festung und der Hafen, und westlich davon die Esplanade, der feinste und amtliche Theil der Stadt. Nach Nordosten schliesst sich die ausserordentlich dicht bevölkerte[583] Stadt der Eingeborenen an (Black town) und reicht nördlich bis zu den Vorstädten (Mazagaon und Bykulla) und östlich bis zu dem Fuss des Malabar-Hügels.
Bombay wird von den Engländern als sehr gesund gerühmt, namentlich seitdem die hauptsächlichsten Sümpfe beseitigt, und eine ordentliche Wasserleitung erbaut worden. Aber der nördliche Theil der Insel, wo allerdings keine Engländer wohnen, ist noch heute Fiebergegend. Ich habe den dort (in Mahim) hausenden Stadt-Arzt, einen Parsi, besucht und erfahren, dass er jährlich sechs bis zwölf Tausend Fälle von Fieber zu behandeln hat.[584]
Die mittlere Jahrestemperatur ist + 26¼° C. Die Nähe des Meeres wirkt günstig. Die kühlsten Monate sind November bis März. Der Südwestmonsun beginnt mit der zweiten Woche des Juni, und der Regen hält an bis zum Ende des Monat September. Der durchschnittliche Regenfall beträgt 70 Zoll im Jahre.
In geschichtlicher Hinsicht ist folgendes zu erwähnen. Im Jahre 1530 wurde die Insel Bombay von einem (auf der nördlich daran grenzenden Insel Salsette herrschenden) Kleinfürsten an die Portugiesen abgetreten, welche die Vortrefflichkeit des Hafens erkannten und eine befestigte Handelsniederlassung gründeten. Im Jahre 1661 erhielt König Karl II. von England bei seiner Verehelichung mit der portugiesischen Prinzessin Katharina die Insel Bombay als Heirathsgabe; aber schon 1668 verschenkte sie der unwirthschaftliche König an die ostindische Gesellschaft, so zu sagen für ein Butterbrot, nämlich für 10 Pfund Sterling jährlicher Abgabe. Im Jahre 1687 wurde der Sitz der Regierung (Präsidentschaft) von Surate hierher verlegt. 1696 liess Aurangzeb das Fort beschiessen und wurde nur durch ein schweres Lösegeld zum Abzug bewogen. Erst 1860 wurde die Festungseigenschaft der Stadt aufgehoben.
Jetzt umfasst die gleichnamige Präsidentschaft, an der Westküste Vorderindiens, 512000 Quadratkilometer mit 23 Millionen Einwohnern.
Die Zahl der Einwohner der Stadt Bombay war
| 1716: | 16000, | |
| 1815: | 221000, | |
| 1834: | 234000, | |
| 1864: | 816000 | [585], |
| 1872: | 640000, | |
| 1881: | 773000 | [586], |
| 1891: | 821000 | (einschliesslich des Cantonment). |
Bei dieser raschen Entwicklung begreift man, dass nur ein Fünftel der Einwohner auf der Insel geboren ist, von den Europäern sogar nur vier Procent.
Ihren Aufschwung verdankt die Stadt der Einrichtung der englisch-indischen Post (London-Bombay) im Jahre 1837, der Eröffnung der Eisenbahnen nach dem Innern und vor allem des Suez-Canals (1869).