Postgebäude „im mittelalterlichen Stil“, Telegraphenamt „im neuen gothischen“ und Bau-Amt, die hier in der Nähe und dicht bei einander liegen, verdienen nur genannt zu werden.
Verfolgt man die Hauptquerstrasse (Churchgate street) nach Osten, so stösst man zuerst auf die Cathedrale, die 1718 erbaut, 1833 mit einem hohen Thurm versehen wurde und eine „Mischung des klassischen und gothischen Stils“ darstellen soll; hiernach auf einen kleinen Rundgarten (Elphinstone Circle), der von hohen Geschäftshäusern umgeben ist, und endlich auf das Stadthaus (Town Hall), das mit seiner Hauptfassade von 260 Fuss Länge und einer dorischen Säulenhalle etwas besser aussieht: es wurde 1835 mit einem Kostenaufwand von 65000 £ errichtet. Das Gebäude hat einen grossen Saal von 100 Fuss Länge und Breite, der weniger zu öffentlichen Versammlungen, als zu Bällen benutzt wird; denn von städtischer Selbstverwaltung ist in Indien keine Rede. Aber es ist auch der Aufbewahrungsort für die wichtige Bücherei der asiatischen Gesellschaft und hierdurch den deutschen Fachgelehrten genügend bekannt.
Oestlich von dem Stadthaus, schon dicht am Ufer, liegt die Münze, welche 300000 Rupien an einem Tage zu prägen im Stande ist und früher bisweilen bis zu 200000 £ in Silberbarren beherbergte; denn Jedermann konnte hier sein Silber zu Rupien prägen lassen für die gesetzlichen Gebühren: erst vor wenigen Monaten ist die freie Silberprägung nothgedrungen, wegen des Silbersturzes, aufgehoben worden.
Ob das neue Stadthaus (Municipal Office) am Nordende des Europäer-Viertels[596] nach seiner Fertigstellung besser aussehen wird, weiss ich nicht. Jedenfalls hatte der Baumeister in nächster Nähe zwei Beispiele vor Augen, ein nachahmenswerthes, die mohammedanische Mädchen-Schule, welche trotz der üblichen Klassen-Eintheilung anmuthige Hallen und Kuppeln zeigt, und ein abschreckendes, das Gebäude des Victoria-Eisenbahnhalteplatzes,[597] das allenthalben nach vorn Dachtraufen mit den Köpfen nordischer Ungeheuer und sogar an seinem Central-Dom strahlenförmig Säulen mit eben solchen Missbildungen gegen den Himmel, wie versteinertes Gestrüpp, emporstreckt. Es soll „spät gothisch“ sein, wird als das schönste Gebäude in Bombay und als der prächtigste Eisenbahnhalteplatz in Indien gepriesen. Herr Stevens war der Baumeister, die Kosten betrugen 300000 £. 1888 wurde es fertig, die innere Einrichtung muss als zweckmässig gelobt werden; es ist der Endpunkt der Great Indian Peninsular Railway.
Bombay’s öffentlichen Gebäude machen keinen sonderlichen Eindruck auf denjenigen, der aus Indien kommt und so viel schönes gesehen.
Wie die öffentlichen Gebäude, so auch die Bildsäulen.
Im südlichen Anfang von Esplanade road, gegenüber einem freien Platz, steht die bronzene Reiterstatue des Prinzen von Wales, die Sir Albert Sassoon[598] zur Erinnerung an den Besuch des Thronerben (1875/76) durch Herrn Böhm für 12500 £ anfertigen liess und der Stadt Bombay zum Geschenk machte. Die Enthüllung fand im Jahre 1879 statt. Der Prinz, in Feldmarschallsuniform, sitzt zu Pferde. Die Bildsäule ist 12 Fuss hoch und steht leider auf einem Granitwürfel von 14 Fuss Höhe, also zu hoch für bequeme Betrachtung. An den beiden Hauptseiten enthält der Unterbau Bronze-Tafeln mit erhabener Arbeit. Die eine stellt die Landung des Prinzen dar; die andere zeigt die Vorstellung auf der Esplanade, wo der Prinz in der Mitte zwischen Hindu und Mohammedanern steht.
An der Kreuzungsstelle von Esplanade- und Mayo-Road sitzt unter einem gothischen Spitzdach von 42 Fuss Höhe die Königin im Staatsgewande. Die Bildsäule ist 7 Fuss hoch, aus weissem Marmor, von Noble. Die Enthüllung erfolgte 1872. Die Gesammtkosten betrugen 182000 Rupien, wovon der Fürst (Gâekwâr) von Baroda 165000 beigesteuert. Ein gothisches Spitzdach ist die unglücklichste Bedeckung für eine sitzende Bildsäule; das weiss Jeder, der die von Walter Scott zu Edinburgh gesehen.
Bombay’s Bedeutung beruht auf dem Seehandel.
Naturgemäss wendet man sich zum Hafen. Es ist nicht weit. Man verfolgt Esplanade Road vom Hotel aus südwärts eine kurze Strecke, geht über einen halbkreisförmigen freien Platz und durch die Apollo-Bunder-Strasse, vorbei an dem Seemanns-Heim[599] und dem Jacht-Club zur Linken und einem Erfrischungshause zur Rechten. Hier springt die von einer 100 Fuss langen, offenen Halle gekrönte Landungstreppe in den Hafen vor, die den für uns seltsamen Namen Apollo Bunder führt.