Die Führung war höchst umsichtig; sie begann mit dem Rohstoff, der Ordnung und Reinigung desselben, ging dann über zum Spinnen der Garne und zu den Geweben, den einfachsten wie den zusammengesetzten, zeigte das Färben und Bedrucken und schliesslich das Lager. Die Stoffe werden nach dem Gewicht verkauft, schöne Tücher das Pfund zu 15 Rupien, das ist das doppelte des Rohstoff-Preises.

In der Nähe der westlichen Querstrasse (Grant road[606]) liegen die Krankenhäuser der Medicin-Schule (Grant Medical College).

Die neun Professoren tragen vor in englischer Sprache, die vier Hilfslehrer aber in Guzerati und Marathi. Die Hilfsärzte sind Eingeborene, ebenso die Studenten.

Die Krankenhäuser sind milde Stiftungen, meist von Parsi. Da ist das Jamshidji-Krankenhaus, dicht bei der Medicin-Schule, mit vierzehn Krankensälen zu je vierzehn Betten; einer ist für Parsi allein, in den andern finden Kranke aller Bekenntnisse und Kasten Aufnahme. Schwierig ist die Verpflegung: Hindu brauchen einen Koch ihres Bekenntnisses, ja die Brahmanen einen solchen aus ihrer eigenen Kaste: Mohammedaner und Parsi sind mit einem Christen schon zufrieden, wenn er nur die Vögel nicht erdrosselt, sondern schlachtet.

Derselbe Jamshidji Jijibhai hat eine Wohlthätigkeitsanstalt für Arme und ein Asyl für Obdachlose (Dharmsala) mit 200 Einzelräumen erbaut; ein Armenhaus für Parsi haben die Söhne von Fardunji Sorabji Parak zum Andenken an ihre Mutter begründet.

Die Gewerbeschule, welche an unser Gasthaus grenzt, wurde 1870 von dem Juden David Sassoon und seinem Sohn Sir Albert Sassoon mit einem Kostenaufwand von 15000 £ erbaut und auch mit einer guten Bücherei versehen. Auf dem Flur steht eine Bildsäule von David Sassoon.

Ganz im Norden der Stadt, jenseits des Vorstadt-Halteplatzes Byculla, liegt der Victoria-Garten.

Hier steht das Albert-Museum. Sir G. Birdwood sammelte 1 lakh durch freiwillige Beiträge; 1862 wurde der Grundstein gelegt, 1871 das Gebäude vollendet. Sir Albert Sassoon schenkte den Glockenthurm dazu und, wenn ich nicht irre, auch die Marmor-Bildsäule des Prinzen Albert von Koburg, des Gemahls der Königin Victoria. Von dem Inhalt der Sammlung sagt Murray weiter nichts, als dass er unbedeutend sei. Das möchte ich nicht unterschreiben. Wenn auch die einzelnen Stücke nicht so kostbar sind, so ist ihre planmässige Vereinigung höchst werthvoll und geeignet, uns einen vortrefflichen Ueberblick über Handwerk und Gewerbefleiss in Indien, namentlich in dem britischen, zu verschaffen.

Da sieht man die Jute, die Baumwolle, die Seide von ihrem rohen Zustand durch alle Stufen der Bearbeitung bis zu den fertigen, vollendetsten Geweben. Da lernt man auch die Bedürfnisse der verschiedenen Bevölkerungen, der einzelnen Gegenden, der hundertfältigen Kasten kennen; jede trägt ihren Turban so wie vor Jahrhunderten. Deutsche Geschäfte, welche solche Gegenstände für Indien herstellten, mussten erleben, dass ihre Waaren unverkäuflich blieben, wenn nur eine geringe Abweichung in der Breite oder in der Farbe des Stoffes vorhanden war. Ausser Geweben sind auch Metallwaaren aller Art, Töpferwaaren und bemalte Thonfiguren, Schnitzereien reichlich vertreten, zumal ganze Kästen aus den in Europa und in Indien veranstalteten Gewerbe-Ausstellungen schliesslich dem Museum einverleibt worden sind.

Die Eingeborenen sind wieder die dankbaren Besucher. Obwohl ich mehrmals da war, habe ich ausser meinen eignen Begleitern kaum einen Europäer dort gesehen.