Um 11½ Uhr fuhr ich nach Hause, ohne das Ende des Stücks abzuwarten, aber darüber belehrt, dass in Asien Leute leben, von deren Bildung und Tugend wir stolzen Europäer kaum eine schwache Ahnung haben.

Zu den Ausflügen, die ich von Bombay gemacht, gehört der nach Mahim an der Nordwestecke der Insel. Wenn man einen raschen Einspänner zu seiner Verfügung hat, ist die Fahrt ganz angenehm und auch lohnend. Man durchfährt erst die Stadt Bombay von Süden nach Norden, dann die Vorstädte Bykulla und Parel. Obwohl die Häuser weiter aus einander liegen, und Felder, Bleichen und Färbereien sich einschieben; hört doch die Bebauung eigentlich gar nicht auf, bis man Mahim erreicht hat.

Hier wartete meiner eine kleine Enttäuschung. Man hatte mir von dem Palmenhain des Ortes gesprochen. Ich konnte aber einen solchen nicht finden, weil er — nicht vorhanden ist, wie mir der Parsi-Doctor des Fieber-Nestes auseinandersetzte. Allerdings ist jedes Gehöft innerhalb der Umfassungsmauern dicht mit Kokospalmen bepflanzt. Aber das war nichts Neues für mich.

So fuhr ich denn noch über die Brücke nach der Insel Salsette und durchwanderte das Dorf Bandra, dessen Einwohner erstaunt den Fremdling betrachteten.

Der lohnendste Ausflug ist der nach der Insel Elephanta. Ich will nicht verhehlen, dass ich ihn an meinem ersten Nachmittag in Bombay unternommen.

Die Gasthausverwaltung[622] veranstaltet diese Fahrten, mehrmals wöchentlich, in kleinem Dampfer; 3 Rupien beträgt der Fahrpreis für die Person.

Elephanta ist eine kleine Felseninsel von 7 Kilometer Umfang, 10 Kilometer von Apollo Bunder entfernt, also in einer guten Stunde zu erreichen. Sie bekam ihren Namen durch die Portugiesen von einem in dreifacher Grösse aus dem lebenden Fels gemeisselten Elephanten, der 1814, nachdem Kopf und Nacken abgefallen, nach Bombay gebracht wurde und im Victoria-Garten zu sehen ist. Die Eingeborenen nennen die Insel Gharapur, d. h. Grottenstadt.

Entzückend ist während der Fahrt der Rückblick, für mich um so werthvoller, als ich in Bombay nicht zu Schiff angekommen: erst aus der Nähe, auf Apollo-Bunder, Docks, Kastell und auf all’ die Schiffe und Schiffchen, die den Hafen beleben; dann, weiter ab, auf die ganze Ostküste der Insel Bombay und auf die 1000 Fuss hohen Berge der nördlich gelegenen Insel Trombay. Der höchste Punkt der Insel Elephanta, die vor uns liegt, erhebt sich 568 Fuss; ein andrer Hügel ist 400 Fuss hoch. Der Landungsplatz ist nicht sonderlich bequem. Man überschreitet einen schlüpfrigen Damm aus Steinblöcken, steigt einen zum Theil aus behauenen Stufen bestehenden Weg empor, zu der halben Höhe des Inselberges, und ist am Eingang zu den Höhlen.

Wann diese Höhlen ausgehauen sind, ist unbekannt; man vermuthet, zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert n. Chr. Jedenfalls stellen sie ein achtungswerthes Stück Arbeit dar, da die Hindu keine andren Mittel als Haue, Meissel und Hammer zu ihrer Verfügung hatten. Unsinniger Weise haben die Portugiesen aus Glaubenswahn eine Zerstörung dieser ehrwürdigen Denkmäler des Alterthums begonnen; und obwohl die Engländer, namentlich in neuerer Zeit, Mühe um die Erhaltung sich gegeben, so hat doch der Zerfall beträchtliche Fortschritte gemacht seit der Zeit, wo unser Landsmann Karsten Niebuhr (1774–1778) die erste Beschreibung geliefert, ja, nach Augenzeugen und Angaben des Aufsehers, seit den letzten Jahren noch weiter zugenommen.

Der Hauptraum des aus dem lebenden Fels ausgehauenen (Schiwa-Linga) Tempels ist eine gewaltige Halle von 39,5 Meter Länge, 40 Meter Breite und 4,5 bis 5,3 Meter Höhe, die von zwei breiten Seitengängen genügend Licht erhält. Die glatte Decke wird gestützt von 26 mächtigen Pfeilern,[623] die man aus dem Felsen stehen liess und dann fein bearbeitet hat, sowie von 16 Halbpfeilern. Der Linga-Schrein in der Halle ist ein Quadrat von 19½ Fuss Seitenlänge mit vier Eingängen, der Linga ein kegelförmiger Stein von nahezu 3 Fuss Länge. An der Hinter- oder Südwand, gegenüber dem nach Norden zu gelegenen Eingang, ist eine gewaltige Steinbüste mit drei Köpfen (Trimurti); das mittlere, milde Gesicht ist Schiwa als Brahma oder Schöpfer, das rechte als Wischnu oder Erhalter, das linke als Rudra oder Zerstörer mit gewundenen Schlangen statt der Haare. In dem östlichen Nebengemach ist Schiwa 16 Fuss hoch, mit vier Armen, zur Hälfte männlich, zur Hälfte weiblich gebildet; er lehnt sich mit zwei Händen auf seinen Stier Nandi. In dem westlichen Nebengemach ist Schiwa 16 Fuss hoch und seine Gattin Parvati 12 Fuss hoch. Von den Nebenfiguren in beiden Gemächern will ich nicht reden.