Dazu kommen schliesslich noch einzelne Engländer, gerade genug, um bei den unvermeidlichen politischen Gesprächen einige Mannigfaltigkeit[68] herbeizuführen; von den übrigen Völkern gelegentlich ein einsamer Vertreter.

Ganz anders ist die Cajüt-Gesellschaft auf der „Kaiserin von Japan“ zusammengesetzt. Alldeutschland ist nur in bescheidener Zahl vertreten, durch 3 unter 84. Da ist zunächst ein wissensdurstiger und unternehmender Officier, der Urlaub auf ein Jahr bekommen und Asien studiren will; wie mir scheint, der fleissigste und gründlichste aller Reisenden des Schiffes. Da ist ein junger Kaufmann mit tadellosem Englisch und Benehmen, der durch vorsichtige Wahl seines Vaters schon in jungen Jahren zu dem Vergnügen einer Weltumseglung gelangt ist. Da bin ich selber. Aber die Mehrzahl aller Cajütreisenden (34 von 84) sind Missionäre aller Arten, aller Secten, — Amerikaner und Engländer: alte, im Dienst ergraute Prediger, die auch in der gewöhnlichen Unterhaltung den gehobenen Ton anschlagen; jüngere mit Weib und Kind; „grosse Frauen“, von deren Beredtsamkeit und Vorzügen die Tagesblätter von Vancouver überströmten, und junge, lächelnde Fräulein, die hoffnungsfreudig an die schwierige, unbekannte Aufgabe gehen, den altcivilisirten Ostasiaten eine neue Botschaft zu verkünden.

Asiaten selber, sogenannte Heiden, sind in der Cajüte nur sparsam vertreten, durch zwei würdevolle Japaner und eine Parsi-Familie aus Bombay. Weit zahlreicher waren die Muss-Asiaten aus Europa, Engländer, die in Japan als Kaufleute, in China[69] als Zollbeamte so lange leben, bis die Ersparnisse zu einem behaglichen Dasein in der Heimath ausreichen.

Hierzu kann auch noch ein „ehrenwerthes Parlamentsmitglied“ und ein Consulatsbeamter mit Gattin gerechnet werden.

Dann kommen die Vergnügungsreisenden, deren Zahl keineswegs so gross ist, wie man annehmen sollte, nämlich etwa zwei Dutzend, die eine Hälfte für Japan bestimmt, die andere wirkliche Erdumwanderer (Globetrotter), eine Menschengattung, auf die ich noch bei Gelegenheit zurückkommen werde.

Was nun unseren Kurs anlangt, so geht derselbe, sowie wir die offene See gewonnen, schnurstracks nach Westen, von der Insel Vancouver nach der Bucht von Yokohama, auf dem kürzesten Weg, der aber wieder auf Karten nach Kremer’s Grundriss[70] eine nach Norden erhabene Linie darstellt und mittwegs ganz dicht unter den Alëuten vorbeistreicht.

Trotz der hohen Verehrung, die ich den Büchern und Karten des deutschen Reichspostamtes zolle, muss ich bekennen, dass auf der grossen Uebersichtskarte des Weltpostverkehrs (Berlin 1892) der Kurs nicht ganz richtig bezeichnet ist, während auf der Karte des neuesten Bradshaw zwar die Zeichnung richtig, aber die Benennung falsch ist.[71]

Ein Blick auf meine eigne Karte und auf den folgenden Logbericht wird das Gesagte erläutern.

Datum Breite Länge Entfernung Bemerkungen
Mittw. 31. Aug. Ab Vanc. 4h 35′ Nchm., an Victor. 9h 45′ N.
Donn. 1. Sept. 48° 20′ N. 123° 55′ W. 111 Seemeilen Ab Vict. 6h 30′ Vorm.
Freitag 2. Sept. 50° 133° 40′ W. 395 Seemeilen
Sonnab. 3. Sept. 50° 58′ N. 143° 45′ W. 390 Seemeilen
Sonntag 4. Sept. 51°  0′ N. 154° 10′ W. 393 Seemeilen
Montag 5. Sept. 51°  0′ N. 164° 25′ W. 387 Seemeilen
Dienst. 6. Sept. 50° 26′ N. 174° 18′ W. 377 Seemeilen Orkan.
Mittw. 7. Sept. Ausgelassen.
Donn. 8. Sept. 49° 19′ N. 176°  8′ Ö. 376 Seemeilen
Freitag 9. Sept. 47° 53′ N. 166° 44′ Ö. 383 Seemeilen
Sonnab. 10. Sept. 45° 47′ N. 157° 48′ Ö. 387 Seemeilen
Sonnt. 11. Sept. 42° 47′ N. 149° 37′ Ö. 393 Seemeilen
Montag 12. Sept. 39°  4′ N. 142°  4′ Ö. 367 Seemeilen
Dienst. 13. Sept. Um 12h Mittags auf der Rhede von Yokohama.