Es ist angenehm warm. Am 2. Januar, Morgens 8 Uhr, ist in der Cajüte +26½° C.; auf dem Verdeck 24½° C., Mittags 25° C. Die Furcht vor dem raschen Temperaturwechsel der Heimfahrt ist unbegründet, wie meine früheren Reisen (von Aegypten, vom Peloponnes nach Berlin ohne Unterbrechung) mir genügend gezeigt haben. Jetzt fahre ich von Bombay nach Trieste ohne Unterbrechung in siebzehn Tagen und messe Morgens 7 Uhr (bis 8 Uhr) die folgenden Temperaturen:
| 2. | Januar | + | 24½° C. |
| 3. | „ | + | 25½° C. |
| 4. | „ | + | 24° C. |
| 5. | „ | + | 25° C. |
| 6. | „ | + | 25° C. |
| 7. | „ | + | 25° C. |
| 8. | „ | + | 26½° C. |
| 9. | „ | + | 23° C. (Nachmittags 19½° C.) |
| 10. | „ | kühler. (Nordwind).[637] | |
| 11. | „ | + | 15½° C. |
| 12. | „ | + | 12½° C. (4½ Uhr 20° C.) |
| 13. | „ | + | 18° C. (Mittags 19° C.) |
| 14. | „ | + | 13° C. |
| 15. | „ | + | 10½° C. (Mittags 10° C.) |
| 16. | „ | + | 10° C. |
| 17. | „ | – | 2° C, im Steuerhäuschen. |
Wie man sieht, vollzog sich der Temperaturabfall in acht Tagen; auf dem Lande in Triest war es, durch die Bora, bitterkalt.
Erlebnisse während der Fahrt nach Aden sind nicht zu melden; am 4. Januar erblickten wir ein arabisches Schiff (Dhau), am 6. Januar einen englischen Truppenbeförderungs-Dampfer (Troop-Ship).
Am 6. Januar, Nachmittags 3 Uhr, werfen wir in dem herrlichen Hafen von Aden Anker, ¼ Stunde entfernt von der Landungsbrücke bei Steamer-Point. „Ein verdammtes, trübseliges Felsennest“, sagte Capitän Bowers; aber er stieg doch flugs in das von mir eiligst gemiethete Boot, das uns an’s Land schaffte, und in den dort ohne Zeitverlust gemietheten Einspänner, der uns im Trabe zu den Sehenswürdigkeiten Aden’s brachte.
Am südlichen oder glücklichen Arabien (Yemen), im Meerbusen von Aden, welcher zwischen Arabien und der zum Cap Guardafui vorspringenden Somali-Küste eindringt, 170 Kilometer östlich von Bab-el-Mandeb, unter 12° 44′ nördlicher Breite, 45° östlicher Länge, liegt, die nur 20 Quadratkilometer messende, nahezu dreieckige Insel Aden, die allerdings an ihrer Nordostecke durch eine 2 Kilometer breite, sandige und niedrige (in der Mitte verschanzte) Landzunge mit dem Festland zusammenhängt, also eher den Namen einer Halbinsel verdient.
Gegenüber der Nordwestecke springt eine kurze Halbinsel (Little Aden) vom Festlande vor. Zwischen Klein- und Gross-Aden liegt der Aussen-Hafen; nördlich davon, zwischen dem Festlande und den beiden Halbinseln, der Haupt- oder Innen-Hafen (Bander Tuwai), 5½ Kilometer weit, der beste in ganz Arabien, ja fast in ganz Asien bis Hongkong und Nagasaki.
Obwohl Aden einen vollständig nackten, braunen, zerklüfteten Vulcan-Felsen aus Lava, Tuff, Bimsstein, ohne Grün und ohne Nass darstellt;[638] so hat der herrliche Hafen und die vortreffliche Lage, die zum Verkehr zwischen Arabien, Afrika und Indien gradezu einladet, schon seit uralter Zeit hier eine reiche und blühende Handelsstadt in’s Leben gerufen, die trotz der öden Natur von den Einwohnern als Paradies (Eden) bezeichnet, schon von dem Propheten Ezechiel[639] gepriesen, im Periplus als Arabia Eudaimon[640] beschrieben, von den Griechen und Römern als Adana, Athana, Arabia Felix gekannt war.
Natürlich lockte der Reichthum Eroberer an. Aus den Händen der Araber gelangte die Stadt in die der Abessynier, der Perser, der Aegypter, der Türken. Die Bedeutung des Handelsplatzes blieb noch durch das ganze Mittelalter erhalten, bis zur Entdeckung des Seewegs nach Ostindien. 1551 wurde die Stadt Aden den Portugiesen übergeben, bald aber von den Türken erobert, 1630 von diesen wieder aufgegeben, so dass sie wieder in die Hände der Araber-Häuptlinge gelangte, 1725 in die der Lahej, die heute noch auf dem benachbarten Festland mächtig sind. 1838 versuchten die Engländer Aden von den Arabern zu kaufen; und, da diese in den Verkauf nicht willigen wollten, so nahmen sie es mit Gewalt und beschönigten den Raub mit dem Vorwand, es sei ein hier gescheitertes Schiff geplündert worden.[641] Zur Behauptung des Platzes waren nur unbedeutende Kämpfe nöthig; 1872 wurde Little Aden und 1883 der Landstreifen nördlich vom Hafen, auf dem Festland, zur Abrundung des Besitzes hinzu gekauft.