Riesige Kupfer-Kessel, die im Freien aufgestellt sind, dienen zur Bereitung von Trink- aus Meer-Wasser. Das Trinkwasser wird an die Bewohner verkauft, 100 Gallonen gelten 14 Annas.[647]

So wird das Getränk künstlich hergestellt; die Nahrung aber eingeführt, und zwar Mehl aus Indien und Europa, Schafe von der Somaliküste, Ochsen und Futter aus Arabien.

Das einzige hervorragende Gebäude der Stadt Aden ist eine weiss getünchte Moschee mit Kuppel und einem Minaret, wie man sie in jedem Dorfe bei Scutari findet.

Vor dem Kaffehause der Stadt ist ein grosses Gewühl, wie in Sicilien und Tunis. Die müssigen Somali-Jünglinge mit ihren Keulen-Stöcken starren den Fremden an, aber ohne ihn zu belästigen. Ueberhaupt möchte ich bemerken, dass ich weder mit den Bootsleuten noch mit dem Kutscher noch mit irgend einem Einheimischen von Aden die geringste Unannehmlichkeit hatte, während die früheren Reisebücher voll davon sind.

Bisher hatte ich noch keinen Baum oder Grashalm auf der ganzen Insel Aden erblickt. Aber bei dem westlichen Ende der Hauptquerstrasse, welche die Stadt Aden in zwei Theile zerschneidet, am Eingang zu den berühmten Wasserbehältern, ist eine schüchterne Pflanzung von Laubbäumen gelungen und wird durch sorgfältige Bewässerung aus Tiefbrunnen unterhalten.

Ebenso sind im Innern der terrassenförmigen Schlucht, die man jetzt betritt, noch kleine Sträucher und Bäume hier und da angepflanzt. Die Leute, welche die menschen- und bildungs-freundliche Arbeit des Wasser-Pumpens verrichten, sind aber auch fest überzeugt, dass der Reisende ihnen ein Trinkgeld schuldet.

Der Weg ist ziemlich bequem und zeigt bald rechts, bald links grosse, in dem Felsen ausgehöhlte, geglättete und mit Stuck ausgekleidete, oben mit Mauer und eiserner Brustwehr umgebene Wasserbehälter, die zwar prahlerische, englische Inschriften ihres grossartigen, in die Hunderttausende und Millionen von Gallonen gehenden Fassungsvermögens zeigen, aber von dem köstlichen Nass nur hier und da eine niedrige Lache enthalten.

Trotzdem sind es recht merkwürdige Bauten. In Arabien wurden derartige Wasserbehälter schon 1700 v. Chr. hergestellt. Die zu Aden sollen 600 n. Chr. angelegt oder vielmehr ausgebaut sein; im Jahre 1330 hat Ibn Batuta sie gesehen, 1538 ein Venetianer sie beschrieben. Alle Schluchten der Ostseite des Djebel Schamschan kommen in dies eine Thal zusammen, das noch dazu durch eine Mauer gesperrt wurde; so muss der ganze Regenfall hier in diese mit Mauern, Teichen, Canälen versehenen Wasserbehälter zusammenfliessen.

Wie alles, war auch diese Anlage zerfallen, als die Engländer Besitz von Aden ergriffen. Sie haben dann von 1856 bis 1874 die Becken wiederhergestellt oder doch von den 50 mit einem Gehalt von 30 Millionen Gallonen wenigstens 13 mit einem Gehalt von 7 Millionen. Doch haben sich die Behälter (Tanks) wegen der Unsicherheit und Spärlichkeit des Regenfalls nicht sonderlich bewährt, zumal für die so vergrösserte Bevölkerung; die Abdampf-Einrichtungen (Condensors) leisten das gewünschte.