Ein jeder Ort wechselt den Monatstag in dem Augenblick, wo der Mitternachtsmeridian über ihn weggeht. In demselben Zeitpunkt, wo in Greenwich Mittag des 7. September gezählt wird, ist 180° westwärts davon Mitternacht, der Beginn des 8. September.
Fährt ein Schiff immer westwärts von Greenwich, in gleicher Richtung mit der scheinbaren Bewegung der Sonne; so hat es jedes Mal zwischen zwei Mittagen eine längere Zeit, als 24 Stunden. Die Verlängerung des Tages beträgt für jeden Grad westlicher Abweichung 4 Minuten;[72] also in Wirklichkeit 40 Minuten, wenn das Schiff täglich etwa 10 Längengrade zurücklegt. Hat das Schiff in gleicher Richtung mit der scheinbaren Bewegung der Sonne den ganzen Erdball umkreist, so ist ihm auf dieser Reise die Sonne ein Mal weniger durch seinen Meridian gegangen, als daheim; das Schiffsbuch ist, bei der Landung zu Hause, um einen Tag zurück. Deshalb pflegt der Capitän, wenn er den 180° Längengrad westlich von Greenwich passirt, einen Wochentag und ein Datum zu überschlagen. So kann der geplagte Seemann, wenn er besonderes — Glück hat, sogar um seinen Geburtstag kommen!
Fährt dagegen das Schiff ostwärts um die Erde, der scheinbaren Bewegung der Sonne entgegen; so legt es die Zeit von einem Mittagsstand der Sonne bis zum nächsten in weniger als 24 Stunden zurück, nämlich um 10×4 = 40 Minuten weniger, wenn es in nahezu 24 Stunden 10 Längengrade überschreitet. Die Sonne ist ihm ein Mal mehr durch den Meridian gegangen, als daheim. Das Schiffsbuch ist bei der Landung zu Hause um einen Tag weiter.
Herr Phineas Fox hat seine verrückte Wette gewonnen, obwohl er es selber nicht ahnte. Aber nach dem Logbericht kann der so pünktliche Mann nicht gesehen haben; sonst würde er bei Ueberschreitung des 180° Meridians östlicher Länge, zwischen Asien und Amerika, gemerkt haben, dass das Schiffsbuch denselben Wochentag und dasselbe Datum an zwei aufeinander folgenden Tagen ansetzte.
Das Wetter ist weit besser geworden, aber ein leises Nachgrollen des Sturmes noch merklich. Das Schiff tanzt auf den Wogen, die Doppelschwingung von rechts nach links dauert etwa 5 Secunden. (Später auf dem indischen Ocean mass ich 10 Secunden und 12 von vorn nach hinten.) Aber kein Rollen, kein Stampfen. Die Sonne ist klar, die Welt ist heiter.
Am folgenden Tag (dem neunten der Seereise, Freitag, den 9. September) ist das Meer wieder spiegelglatt, aber am 10. September ertönte von Neuem das Nebelhorn. Auf dem stillen Ocean ist mehr Nebel als auf dem atlantischen; die Alëuten bilden zwar eine Barre gegen die Eisberge, aber kaltes Wasser strömt herab vom Behringsmeer und bewirkt weiter südlich die Nebel.
Die Musse der letzten Tage benutzte ich, um mehrere Bücher über Japan zu lesen und um
Zwei ernste Reisegeschichten
zu schreiben, welche den einen Vorzug besitzen, eigene Erlebnisse zu schildern.
1. Der russische Weber im Felsengebirge.