Nachts wird durch Bretter, welche in Falzen laufen, das Haus geschlossen und das Schlussbrett durch einen Riegel versperrt. Der Reisende, welcher in einem japanischen Gasthaus abgestiegen, hört missvergnügt das lang dauernde Gepolter. Tags über stehen die Bretter in einer Lade, dem „Brettsack.“

Das japanische Haus (auch der Palast des Mikado zu Kyoto!) entbehrt der Dauerhaftigkeit, da es nur aus Holz und Papier besteht, und der Behaglichkeit, da ihm Möbel und Schutz gegen Kälte und Rauch fehlen. Ausserdem giebt es in Japan keine Canalisation; die kostbaren Dungstoffe für die Felder werden wie Schätze gehütet. Rein hat diese Schattenseiten sehr richtig hervorgehoben und der Amerikaner Morse, welcher eine Sonderschrift über das Haus der Japaner[129] veröffentlicht hat, kämpft mit Scheingründen und Deutschenhass[130] vergeblich dagegen an.

Zwei Vortheile hat das japanische Haus, es ist sehr billig und widersteht dem Erdbeben. Ersteres erkennt man aus Rein’s Angabe, dass der Herstellungswerth 150–1000 Mark beträgt. Letzteres sah ich zu Nagoya, wo alle Steinhäuser die bedenklichsten Risse von dem vor Jahresfrist beobachteten Erdbeben zeigten, die Holzhäuser unversehrt geblieben. Die Holzhäuser auf ein Mal durch Steinbauten für 40 Millionen Menschen zu ersetzen, wäre auch unmöglich, da das Geld dazu nicht vorhanden ist.

Jeder, selbst der Aermste, bewohnt ein Haus für sich, wenn gleich nur zur Miethe. Auf das japanische Haus kommen durchschnittlich vier Einwohner. Oefters wird nur die Zahl der Häuser eines Ortes, nicht die der Einwohner angegeben.

In kurzen Abständen sieht man zu Tokyo (und in den andern Städten Japan’s) schmale feuerfeste Gebäude (Kura), worin Nachts und bei Feuersgefahr der Kaufmann seine Kostbarkeiten birgt. Sie bestehen aus doppelten Wänden von Backsteinen, deren Zwischenraum, ähnlich wie bei den vielleicht erst 1000 Jahre später in Europa erfundenen Geldschränken, mit einem Gemenge von Holzasche und Sand ausgefüllt ist; ihre kleinen Fenster können durch doppelte Fensterläden aus Eisen nahezu luftdicht verschlossen werden. Die Flure sind mit Fliesen bedeckt, das Dach feuersicher. Es giebt öffentliche Kura, welche werthvolle Gegenstände gegen eine Gebühr aufbewahren. Niemand behält Kostbarkeiten über Nacht in einem japanischen Haus aus Holz und Papier.

Das Volksleben ist unbeschreiblich anmuthig wegen der Höflichkeit und Geschicklichkeit der Japaner. Trotz regen Verkehrs giebt es weder Lärm noch Gedränge.

Es ist ein wahres Vergnügen zu sehen, wie geschickt jeder Krämer in der mit lebhaften Schildereien behängten Bude seine Waare einwickelt, und der Käufer sie davon trägt.

Von dem Bahnhof Shimbashi nordwärts nach Nihonbashi, einer ziemlich in der Mitte der Stadt gelegenen Canalbrücke, von der aus alle Entfernungen in Japan gerechnet werden, führt die breite Hauptstrasse, welche Bazars, Curiositätenhandlungen, auch mehrere europäische Läden und sogar eine Pferdebahn enthält, die trotz der überaus billigen Preise der Jinrikisha’s gut besetzt ist.

Zu den Hauptsehenswürdigkeiten von Tokyo gehört der Park von Shiba und der von Ueno.