Wunderbar ist der Zugang zu dem Grabmal. Erst kommt man an ein Thor, mit dem vorzüglichen und von den Japanern hochgepriesenen Schnitzwerk einer schlafenden Katze (von Hidari Jingorō) und steigt empor über eine feierliche Steintreppe, 240 Stufen, von Moos bewachsen und überschattet von geradezu herrlichen Cryptomerien. Das Grabmal selbst ist eine kleine Pagode aus heller Bronze, davor steht (auf einer Schildkröte) ein Bronzekranich[151] mit einem Leuchter im Schnabel und ein Bronze-Lotosblumentopf, alles umgeben von einem Steingitter.
Etwas weiter liegt das Grabmal des Jemitsu, des dritten Shogun aus der Tokugawa-Familie († 1651).
Wieder sind drei durch Höfe geschiedene Thore vorhanden. In den inneren Nischen des zweiten steht der Gott des Windes mit einem Schlauch[152] und der Gott des Donners mit Hantel-ähnlichen Trommelstöcken.
Sowie man durch das dritte Thor getreten, erscheint ein liebliches Landschaftsbild, der bis oben hin bewaldete Hügel des Grabmals. Halle und Kapelle sind weniger prächtig als die des Jeyasu, das Grabdenkmal ähnlich.
Der Zutritt zu dem Tempelbezirk ist bequem. Man ersteht eine Einlasskarte für 35 Sen. Die Japaner lassen ihre Schuhe beim ersten Gitter und miethen sich für eine kleine Münze ein heiliges Paar Holzschuhe, das allein würdig ist, diesen Weg zu betreten. Das Innere der Kapellen ist natürlich nur nach dem Ablegen der Stiefel oder nach dem Ueberziehen von weissen Leinwandschuhen zugänglich. In dem Tempelbezirk darf nicht geraucht werden. —
Nachmittags machte ich in Jinrikisha (mit zwei Mann) einen Ausflug nach dem Urami-ga-taki oder Hinten-Schau-Wasserfall. Leichter als bei dem Niagara, aber mit demselben fragwürdigen Genuss, kann man zwischen Felswand und den 50 Fuss hohen Wassersturz treten. Weit schöner sieht der Fall von vorn aus. Die vorsorglichen Japaner haben ein niedliches Theehaus in die Felsblöcke eingenistet. Bewunderungswürdig ist die Geduld und das Geschick der Wagen-Männer oder -Jünglinge. Sie keuchen und feuern sich gegenseitig an, klagen aber nicht. Steigt der Europäer aus, dem es unangenehm ist, dass Mitmenschen für ihn so sich plagen; so leiden sie das nicht lange und laden sehr bald mit freundlicher Geberde zum Einsteigen ein. Sie stützen den Schwerpunkt des Wagens, verhüten das Umfallen, leiten ihn sanft über Steine und kleine Abgründe. Kein Ponny würde den Wagen über diesen Weg befördern.
Auf dem Rückweg besuchen wir Kamman-ga-fuchi, wo über den Stromschnellen auf einem anscheinend unnahbaren Felsen ein Sanscrit-Wort (Hammam) eingemeisselt ist, — angeblich durch den heiligen Kobo Daishi, der seine Feder gegen den Fels schleuderte. Am Ufer stehen Hunderte von Amida-Bildsäulen, die angeblich kein Mensch richtig zählen könne.
Der Aberglauben ist etwas einförmig, auch — in Japan. Doch lächeln die Japaner über den ihrigen, auch die gewöhnlichen Kulis.
Nachdem ich noch zum dritten Mal die Tempel besucht, — die Priester schüttelten schon den Kopf über den hartnäckigen Fremdling, — fuhr ich nach Tokyo zurück und machte am folgenden Tage den zweiten Ausflug, nach Miyanoshita.
Da dies nur eine „schöne Gegend“ ist, südwestlich von Tokyo, nicht weit von dem 12000 Fuss hohen, ruhenden Vulkan Fuji, ohne erhebliche Besonderheiten und namentlich ohne Alterthümer; so will ich mich ganz kurz fassen. Von Tokyo fährt man mit der Eisenbahn über Yokohama nach Kozu. Von hier mit der Pferdebahn weiter nach Odowara und Jumoto (1 Stunde). Mein Führer, den ich leider noch hatte, behauptete, es schicke sich nicht für mich, im gewöhnlichen Pferdebahnwagen mit dem Volk zusammen zu sitzen, und miethete für mich einen besonderen Wagen. Doch zeugte der Preis (1½ Yen) von japanischer Genügsamkeit.