In der That war der Graben 80–120 Fuss breit und 12–24 Fuss tief. Aber als Jeyasu 1615 das Schloss einnahm, das bis dahin dem Sohne des Hideyoshi gehört, liess er binnen drei Wochen den Graben ausfüllen.
1867 wurden hierselbst von dem letzten Tokugawa-Shogun Keiki die fremden Gesandten empfangen. Am 2. Februar 1868 wurden die innerhalb der Mauern befindlichen Gebäude von den flüchtenden Anhängern des Shogun in Brand gesteckt und binnen zwei Stunden vollständig zerstört. Der Palast soll das kostbarste Werk japanischer Kunst gewesen sein. Jetzt dient die Schlossruine als Hauptquartier der Besatzung von Osaka.
Reisende können angeblich das Schloss besuchen, aber keineswegs immer, und nicht so leicht.
Ich wurde in’s Empfangszimmer geleitet und mit Thee bewirthet. Der Adjutant kam, entschuldigte den General, und zeigte mir die Pläne des Schlosses aus dem vorigen Jahrhundert und aus heutiger Zeit. Die letzteren sind genau so, wie die unsrigen, und höchst kunstvoll ausgeführt. Die ersteren sind nach einer Art von Vogelschau entworfen, wie wir sie z. B. auch auf altägyptischen Garten- und Landschaftsbildern finden: die Bäume und Gebäude im Norden sind nach oben umgelegt, die im Süden nach unten, die im Osten nach rechts, die im Westen nach links. Der Generalarzt erschien mit seinem Stabe von Aerzten. Wir massen die grössten Steine in der Umwallung, so gut es ging, mit dem Sonnenschirmstock und zufällig vorgefundenen Stangen. Einzelne scheinen grösser zu sein, als die grössten in Aegypten. Eine Granitplatte war über 40 Fuss hoch, 15 Fuss breit; ihre Dicke nicht ersichtlich. Das Mass eines der gewöhnlichen Bausteine war 20×5×3 Fuss.[226]
Wir erstiegen die Platform, wo einst der Hauptthurm gestanden und genossen die schöne Aussicht auf die Stadt, die Ebene, das Meer. Jetzt steht hier oben eine neue Riesenkanone, die aber nur die Mittagsstunde anzeigt. Natürlich war ein Tiefbrunnen innerhalb der Mauern angelegt, das berühmte „Gold-Wasser“, um zur Zeit einer Belagerung die Krieger zu tränken.
Von dem Schloss stiegen wir hinab in die dicht dabei befindliche kaiserlich japanische Waffenfabrik. Zunächst wurden wir wieder in das Empfangszimmer geleitet, mit Thee bewirthet und mit Lichtbildern unterhalten, welche die Ergebnisse von Schiessversuchen auf Panzerplatten naturgetreu darstellen. Selbstverständlich ist auf diesem Gebiete das östlichste Asien heutzutage der getreue Nachbeter von Europa. Der General erschien und gab uns seinen Adjutanten mit, welcher in französischer Sprache uns die Einrichtungen erklärte und gelegentlich auch seufzend den Wunsch ausdrückte, einmal eine Reise nach unseren[227] Gegenden zu unternehmen.
Die Waffenfabrik ist mit den unsrigen nicht zu vergleichen, auch nicht mit Navy-yard zu Washington, das ich gerade sechs Wochen zuvor besucht hatte; aber doch schon recht ansehnlich. 2000 Arbeiter werden hier beschäftigt und Alles, von Riesenkanonen bis zu den Flinten und Säbeln und zur Munition, fertig gestellt. Eines bedauern sie, Gussstahl nicht in genügender Masse zu besitzen; deshalb sind bisher hauptsächlich Bronze-Kanonen angefertigt worden. Natürlich giebt es schon eigne, in Japan erfundene Hinterlader, Repetiergewehre und rauchloses Pulver. Die Armee ist nach preussischem Muster eingerichtet und beruht auf allgemeiner Wehrpflicht. Sie zählt 200000 Mann, doch dürften nur etwa 56000 unter Waffen stehen.
Die Flotte zählt 33 Schiffe mit 44000 Tonnen, 156 Kanonen, 5600 Mann, ist kriegstüchtig und offenbar der chinesischen überlegen.
Die Münze, wo die schönen Yen- und Sen-Stücke geschlagen werden, konnte ich leider nicht sehen.