Obgleich der Reiz ihrer weichen, frischen Haut, ihrer prächtigen Schönheit den Herzog zuerst überrascht und bei ihr zurückgehalten hatte, suchte er dieses Verhältnis schnell wieder zu lösen und den Bruch zu beschleunigen, denn seine frühzeitige Impotenz verschlimmerte sich noch bei den eisigen Liebkosungen, bei dem gezierten Wesen dieses Mädchens.
Und doch war sie die erste, die vor ihm stehen blieb bei dem ununterbrochenen Vorbeimarsch dieser wollüstigen Bilder; wenn sie sich aber schliesslich seinem Gedächtnis doch fester eingeprägt hatte als eine Menge anderer, deren Reize weniger trügerisch und deren Genüsse weniger beschränkt gewesen waren, so lag das an dem gesunden und kräftigen Geruch ihres weiblichen Körpers; dieser Überfluss an Gesundheit war das Gegenteil der Blutarmut, die man mit Parfüms auffrischte, deren feinen Geruch er in dem zarten Siraudin-Bonbon wiederfand.
Er gedachte seiner andern Geliebten. Sie drängten sich wie eine Herde in seinem Gehirn zusammen, doch alle überragte ein Weib, dessen eigentümlicher Reiz ihn während mehrerer Monate aussergewöhnlich gefesselt hatte.
Es war eine kleine, magere Brünette mit schwarzen Augen und pomadisierten Haaren, die auf dem Kopfe wie mit einem Pinsel angeklebt waren, mit einem Scheitel auf der linken Seite, der ihr das Aussehen eines Jungen gab.
Er hatte sie in einem Café-Konzert kennen gelernt, wo sie Bauchredner-Vorstellungen gab.
Zum Erstaunen der Zuschauer, die sich fast unbehaglich bei diesen Ausführungen fühlten, liess sie abwechselnd Kinder aus Pappe sprechen, die wie Orgelpfeifen auf Stühlen aufgestellt waren.
Herzog Jean war bezaubert gewesen; eine Menge von Ideen keimten in ihm auf. Zuerst beeilte er sich, die Bauchrednerin mit Haufen von Banknoten zu bändigen, da sie ihm gerade wegen des Kontrastes, den sie zu der Amerikanerin bildete, gefiel. Diese kleine Brünette brannte wie ein Krater; aber trotz all ihrer angewandten künstlichen Mittel erschöpfte sich der Herzog in wenigen Stunden; er fuhr indessen fort, sich willfährig von ihr ausziehen zu lassen, denn mehr als die Geliebte zog ihn das Phänomen an.
Endlich waren die Pläne, die er gemacht hatte, gereift.
Er liess eines Abends eine Sphinx aus schwarzem Marmor bringen, in der klassischen Stellung liegend, mit ausgestreckten Tatzen, mit steifem, geradem Kopf, und eine Chimäre aus buntem Thon, mit gesträubter Mähne, wilde Blicke werfend, mit den Strähnen ihres Schweifes ihre geschwollenen Seiten fächelnd. Er stellte die beiden Tiere in seinem Zimmer auf und löschte die Lampen aus. Die glühenden Kohlen im Kamin glommen weiter und vergrösserten alle Gegenstände, die wie im Schatten verschwanden.
Dann streckte er sich auf dem Sofa aus, nahe seiner Geliebten, deren unbewegliches Gesicht von dem Schein der Glut erleuchtet wurde, und wartete.