Wie die Wüstlinge in der Gefahr einen Reiz empfinden und im Freien, auf den Böschungen, im Garten der Tuilerieen, im Wald oder auf einer Bank ihre Sinnlichkeit befriedigen, so fand der Herzog vorübergehend seine Kräfte wieder und stürzte sich auf die Bauchrednerin, deren Stimme hinter der Thür tobte, und empfand unerhörte Genüsse in diesem Herumstossen, in dieser Angst des Mannes, der sich in Gefahr befindet.

Unglücklicherweise waren diese Freuden von kurzer Dauer, denn trotz der enormen Summen, die er der Bauchrednerin bezahlte, verabschiedete ihn diese schliesslich und gab sich noch demselben Abend einem strammen Burschen hin, dessen Ansprüche weniger kompliziert, dessen Lenden aber kräftiger waren.

Diese Komödiantin hatte er wirklich bedauert und bei der Erinnerung an ihre Geschicklichkeit schienen ihm die andern Frauen anmutlos.

Eines Tages, da er allein in der Avenue de Latour-Maubourg spazieren ging, in seine Betrachtungen und seinen Widerwillen gegen das weibliche Geschlecht vertieft, wurde er nahe bei der Esplanade des Invalides von einem jungen Menschen angeredet, der ihn bat, ihm den kürzesten Weg nach der Rue de Babylone zu zeigen.

Herzog Jean bezeichnete ihm den Weg, welchen er einzuschlagen hatte, und da auch er die Esplanade entlang ging, so schritten sie zusammen weiter.

„Sie glauben, dass es, wenn ich links gehen würde, ein Umweg wäre,“ fuhr der junge Mann zu fragen fort, „man hatte mir gesagt, die Avenue in schräger Richtung zu verfolgen“ ... seine Stimme klang leise und schüchtern, fast bittend.

Der Herzog betrachtete ihn näher. Er schien aus dem Gymnasium gekommen zu sein, war ärmlich gekleidet, trug eine kurze Jacke aus Cheviot, eine schwarze enge Hose, niedergeschlagenen Kragen und eine lose dunkelblaue Krawatte mit weissen Punkten.

In der Hand hielt er ein Schulbuch und hatte auf dem Kopf einen runden braunen Hut mit glattem Rand.

Sein Gesicht war beunruhigend; blass und müde, doch ziemlich regelmässig und von langem, schwarzem Haar umrahmt; er hatte grosse feuchte Augen mit blauen Rändern, um die Nase herum einige Sommersprossen und einen kleinen Mund mit starken Lippen, die in der Mitte wie eine Kirsche gespalten waren.

Sie sahen sich eine Weile an, gerade ins Gesicht, dann schlug der junge Mensch die Augen nieder und kam näher; sein Arm streifte bald den des Herzogs, der seinen Schritt mässigte und nachdenklich den wiegenden Gang des Jünglings betrachtete.