Mit seinen Vaporisateuren spritzte er im Zimmer eine Essenz, aus Ambrosia, Mitcham-Lavendel, Riecherbse und Bouquet gebildet, umher, eine Essenz, die, wenn sie von einem Künstler destilliert, den Namen verdient, den man ihr zuerkannt hat: „Extrait de Pré fleuri“; in diese blühende Wiese führte er dann eine genaue Fusion von Tuberose, Orangeblüte und Mandel ein; und alsbald entstand künstlicher Flieder und der Wind schien leise durch blühende Linden zu streichen, ihre zarten Ausströmungen auf den Boden niederdrückend, welche dem Extrakt der englischen Tilia ähneln.
Dann liess er durch einen Ventilator die duftenden Wellen entfliehen, nur die Landschaft beibehaltend, die er erneute und deren Dosis er verstärkte, um ihre Rückkehr zu erzwingen.
Bald stiegen Hüttenwerke gen Himmel auf.
Ein starker Geruch von Fabriken, von chemischen Produkten verbreitete sich, und doch hauchte die Natur noch in dieser verpesteten Luft ihre süssen Düfte aus.
Der Herzog bearbeitete und wärmte zwischen seinen Fingern eine Storax-Kugel, und ein höchst eigentümlicher Geruch verbreitete sich im Zimmer, ein Geruch, widerlich und köstlich zugleich, dem entzückenden Geruch der Jonquille und dem hässlichen Gestank der Guttapercha und dem Steinkohlenöl ähnlich.
Er desinfizierte sich die Hände, legte sein Harz in einen hermetisch verschlossenen Kasten, und die Fabriken verschwanden. Dann schleuderte er zwischen die wieder belebten Linden und Wiesen einige Tropfen New Mown Hay, und mitten in der zauberhaften Landschaft, ihres Flieders beraubt, stiegen Heugarben empor, eine neue Jahreszeit suggerierend und ihre feinen Ausströmungen aushauchend.
Endlich, als er diesen Anblick genügend genossen, versprengte er eiligst noch einige exotische Parfüms, leerte seine Vaporisateure, verflüchtete seine konzentrierten Spritsorten, liess all den Balsamen die Zügel schiessen, und in dem heissen aufregenden Dunst des Raumes entwickelte sich eine wahnsinnig sublimierte Temperatur, die seinen Atem beschleunigte.
Plötzlich empfand er einen heftigen Schmerz. Es war ihm, als wenn man ihm mit einem Instrument die Schläfen durchbohre. Er öffnete die Augen und befand sich in der Mitte seines Ankleidezimmers, vor seinem Tisch sitzend; mühevoll erhob er sich und schleppte sich zum Fenster, das er halb öffnete. Ein Luftstoss klärte die erstickende Atmosphäre, die ihn einhüllte; er ging im Zimmer auf und ab, die Augen gegen den Plafond gerichtet, wo Krabben und salzgepuderte Algen auf einem gekörnten Grund hell wie der Sand des Meeresufers im Relief aufstiegen. Eine gleiche Dekoration schmückte auch die Fussgesimse, die, mit japanesisch wassergrüner, etwas zerdrückter Kreppseide die Wände einfassend, das Gekräusel eines Flusses, von Wind bewegt, nachahmten, und in diesem leicht fliessenden Wasser schwamm das Blatt einer Rose, um welches ein Schwarm kleiner Fische wirbelte, mit leichten Federstrichen gezeichnet.
Aber seine Augenlider blieben schwer; das Hin- und Hergehen ermüdete ihn, er lehnte sich auf die Fensterbrüstung; allmählich verschwand seine Betäubung. Sorgsam korkte er die Fläschchen wieder zu und benutzte diese Gelegenheit, um die Unordnung in seiner reichen Schminksammlung zu beseitigen. Er hatte seit seiner Ankunft in Fontenay nicht daran gerührt, und er verwunderte sich fast, diese Kollektion jetzt wiederzusehen, die früher von so vielen Frauen besichtigt und bewundert worden war.
Die Kruken und Fläschchen häuften sich auf- und übereinander. Hier war es ein Porzellantopf, Schnouda enthaltend, diesen wunderbaren weissen Creme, der, wenn er auf der Wange aufgerieben, unter dem Einfluss der Luft in zartes Rosa, dann in ein so echtes Inkarnat übergeht, dass er die wirklich genaue Täuschung einer durch Blutwallung geröteten Haut hervorbringt. Dort sind es mit Perlmutter eingelegte Lackkasten, die japanesisches Gold und athenisches Grün einschliessen, die Farbe des Flügels einer spanischen Fliege, Gold und Grün, das sich in ein tiefes Purpur verwandelt, sobald man es anfeuchtet. Nahe den vollen Kruken mit Pasten von Lambertsnuss, Serkis des Harems, Emulsinen der Kaschmirlilie, Waschwasser von Erdbeeren und Holunder für den Teint und bei den kleinen Flaschen, die mit einer Auflösung von chinesischer Tinte und Rosenwasser zum Gebrauch der Augen bestimmt waren, lagen Utensilien aus Elfenbein, Perlmutter und Silber durcheinander mit Bürsten aus Luzern für das Zahnfleisch: Pinsel, Scheren, Wischer, Schminkläppchen und Puderquasten, Rückenkratzer und Schönheitspflästerchen.