Eines Nachmittags klingelte der Herzog mehrere Male hintereinander und befahl dem eintretenden Diener, seine Koffer für eine längere Reise fertig zu machen.
Während das alte Ehepaar auf seine Angaben hin die als notwendig mitzunehmenden Gegenstände wählte, durchschritt er fieberhaft erregt die Kabine seines Esszimmers, studierte die Abfahrtszeiten der Packetboote, durcheilte hastig sein Arbeitszimmer, wobei er ungeduldig die Wolken mit zufriedener Miene beobachtete.
Das Wetter war schon seit einer Woche abscheulich, dicke Nebel lagerten über der Erde. Starke Regengüsse hatten das Thal in einen schwarzen See verwandelt.
An jenem Tage war der Himmel heller geworden.
Der Regen stürzte nicht mehr wie den Tag vorher in Strömen herab, sondern fiel unablässig fein und durchdringend und schien mit seinen unzähligen Fäden die Erde mit dem Himmel zu verbinden.
Das Licht trübte sich; ein fahler Tag beleuchtete das Dorf, und in dieser Trostlosigkeit der Natur verschwammen alle Farben und nur die Dächer glänzten in diesem Grau in Grau.
„Welch ein Wetter!“ seufzte der alte Diener, der die Kleidungsstücke, die sein Herr verlangt hatte, auf einen Stuhl legte.
Statt jeder Antwort rieb sich der Herzog die Hände und setzte sich vor einen Schrank mit bunten Scheiben, in dem ein Stoss von seidenen Socken in Fächerform aufgehäuft lag. Er war über die Nüancen unschlüssig. Seine Wahl fiel in anbetracht der Trostlosigkeit des Tages und des düsteren Graus seines Anzuges, sowie im Hinblick auf sein Ziel auf ein Paar in mattgrüner Seide. Er zog ein Paar Halbstiefel darüber und den mausgrauen karrierten Anzug an, setzte sich einen kleinen runden Hut auf und hüllte sich in einen dunkelblauen Wettermantel. Von seinem Diener gefolgt, der unter dem Gewicht eines Koffers, einer Reisetasche, einer Hutschachtel und einer Reisedecke, in welche Schirme und Spazierstöcke gewickelt waren, fast zusammenbrach, kam er auf dem Bahnhof an.
Hier erklärte er dem Diener, dass er nicht das Datum seiner Rückkehr bestimmen könne, er würde in einem Jahr, in einem Monat, in einer Woche, vielleicht noch früher zurückkommen, befahl, dass nichts in seiner Wohnung geändert würde, händigte ihm die nötige Summe, die zum Unterhalt des Hauses während seiner Abwesenheit nötig war, ein und stieg in den Waggon, den alten Diener ganz verstört mit schlotternden Armen und offenem Mund auf dem Perron zurücklassend.
Er war in seinem Coupé allein. Eine verschwommene, schmutzige Landschaft, wie durch das trübe Wasser eines Aquariums gesehen, flog in grösster Eile an dem vom Regen gepeitschten Zug vorbei. In Nachdenken versunken, schloss der Herzog die Augen.