Das Schweigen, das ihm bisher wie eine Entschädigung für die Albernheiten, die er jahrelang über sich hatte ergehen lassen müssen, erschienen war, drückte ihn plötzlich mit unerträglicher Schwere.

Eines Morgens nämlich war er aufgewacht, erregt, wie ein Gefangener, der in einer Zelle eingeschlossen ist; seine entnervten Lippen murmelten unzusammenhängende Worte, Thränen stiegen ihm in die Augen, ihm war es, als sollte er ersticken.

Das Verlangen, ein menschliches Gesicht zu sehen, mit einem andern Wesen zu sprechen, sich in das flutende Leben zu stürzen, verzehrte ihn. Es kam sogar dahin, dass er seine Dienstboten unter einem Vorwand zu sich kommen liess und in Gespräche verwickelte. Aber die Unterhaltung war unmöglich; denn die alten Leute waren durch jahrelanges Schweigen und durch die Gewohnheit der Krankenpflege fast stumm geworden; dann verhinderte auch die Entfernung, in welcher sie der Herzog immer von sich gehalten, jedes Plaudern.

Übrigens besassen sie nur ein träges Gehirn und waren fast unfähig, anders als einsilbig auf die Fragen, die man an sie richtete, zu antworten.

Er konnte also auf sie nicht rechnen.

Die Lektüre von Dickens, welche er unlängst gepflegt, um seine Nerven zu beruhigen und die nur die entgegengesetzte Wirkung hervorgebracht hatte, begann langsam in einer unerwarteten Weise zu wirken.

Er vertiefte sich in das englische Leben. Seine Betrachtungen vermischten sich mit den Eindrücken aus der Lektüre.

So hoffte er durch eine Reise den erschlaffenden Ausschweifungen seines Geistes zu entgehen.

Er hielt es nicht länger aus; eines Tages entschloss er sich plötzlich, dem allen ein Ende zu machen. Seine Eile war so gross, dass er lange vor der anberaumten Zeit schon die Flucht ergriff.

Er wollte sich der Gegenwart entziehen und sich herumgestossen fühlen in dem Strassenlärm und in dem Getöse der Welt.