Schwankenden Schrittes wendete er sich dann zu dem Wandschrank, prüfte seine Mundorgel, doch öffnete er sie nicht, sondern nahm von dem oberen Brett eine Flasche mit Benediktiner, die er ihrer Form wegen aufbewahrte.

Aber für den Augenblick war ihm alles gleichgültig; mit mattem Auge betrachtete er die dickbäuchige dunkelgrüne Flasche, die sonst in ihm die Vorstellung eines mittelalterlichen Klosters wachgerufen hätte: mit ihrem antiken Mönchsbauch, ihrem Kopf und Hals, mit einer Pergament-Kapuze versehen, ihrem roten Wachssiegel mit den drei silbernen Bischofshüten am Halse, gesiegelt wie eine Bulle, und einer Etikette, auf deren gelblichem Papier in Mönchslatein stand: „Liquor Monachorum Benedictinorum Abbatiae Fiscanensis“.

Diese klösterliche Hülle barg einen safrangelben Likör von entzückender Zartheit.

Er trank einige Tropfen von diesem Likör und fühlte während eines Augenblicks etwas Erleichterung, aber bald brannte das Feuer wieder von neuem in seinen Eingeweiden.

Er warf verzweifelt seine Serviette hin und begab sich wieder in sein Arbeitszimmer, wo er langsam auf und ab ging.

Es war ihm, als sei er unter einer Luftglocke, in der ihm die Luft nach und nach entzogen wurde, und eine wonnige grausame Schwäche bemächtigte sich seiner, vom Rückenmark durch alle Glieder gehend. Er sträubte sich dagegen, und da er es nicht mehr aushalten konnte, flüchtete er sich, vielleicht zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Fontenay, in seinen Garten und suchte Schutz unter einem Baum, der einen runden Schatten warf.

Auf dem Rasen sitzend, sah er mit stumpfer Miene auf die viereckigen Gartenbeete, auf denen seine alten Dienstboten Gemüse gepflanzt hatten.

Er sah sie wohl an, aber erst nach Verlauf einer Stunde bemerkte er sie, denn ein gräulicher Nebel schwebte vor seinen Augen und liess ihn nichts unterscheiden, ähnlich wie auf dem Meeresgrund, wo man nur unbestimmte Bilder gewahrt.

Schliesslich fand er sein geistiges Gleichgewicht wieder und unterschied deutlich Zwiebeln vom Kohl, sowie etwas weiter ein Feld mit Kopfsalat und im Hintergrunde die ganze Hecke entlang eine Reihe weisser Lilien, die unbeweglich in der schweren Luft ihren Duft ausströmten.

Er durchstöberte den Garten, sich für die in der Hitze verwelkten Pflanzen und den heissen Erdboden interessierend, der in dem glühenden Staub der Luft dampfte. Dann bemerkte er oberhalb der Hecke, die den tiefer gelegenen Garten von der erhöhten Strasse, die nach dem Vorwerke führte, trennte, einige Jungen, die sich in vollem Sonnenbrand im Staube wälzten.