Er konzentrirte seine Aufmerksamkeit eben auf sie, als ein anderer, kleinerer erschien; er sah schmutzig aus, hatte Haar wie Seegras und war voll von Sand; zwei grüne Blasen hatte er unter der Nase, widerliche Lippen, weiss beschmiert mit weichem Käse, der auf Brot gestrichen und mit gehackten Zwiebeln bestreut war.
Der Herzog sog den Geruch davon ein; ein krankhaftes Gelüst bemächtigte sich seiner. Die schmutzigen Brotschnitte liessen ihm das Wasser in den Mund treten. Es schien ihm, als wenn sein Magen, der jede Nahrung verweigerte, dies abscheuliche Essen verdauen würde und sich sein Gaumen wie an einem Leckerbissen daran laben könne.
Er sprang auf, lief nach der Küche, befahl, aus dem Dorf einen Laib Brot, weissen Käse und Zwiebeln zu holen, bestimmte, wie man ihm die Brotschnitte bereiten solle, genau wie die, an denen der Junge herumwürgte, und ging zu seinem Baum zurück, unter dem er sich wieder niederliess.
Jetzt schlugen sich die Jungen. Sie entrissen sich Stücke Brot, die sie sich in die Backen stopften, wobei sie sich die Finger ableckten. Es hagelte dabei Fusstritte, Faustschläge, und die Schwächsten, die zur Erde geworfen wurden, schlugen mit den Beinen um sich und heulten.
Dieses Schauspiel belebte den Herzog; das Interesse, das er an dem Kampf nahm, wendete seine Gedanken von seinem Übel ab; bei der Erbitterung der Bengel dachte er an das grausame Gesetz vom Kampf ums Dasein, und obgleich diese Jungen nur aus niedrigem Stande waren, konnte er sich doch nicht erwehren, sich für ihr Los zu interessieren und zu glauben, dass es besser für sie gewesen wäre, wenn ihre Mütter sie nicht in die Welt gesetzt hätten.
„Welcher Wahnsinn,“ dachte der Herzog, „Kinder zu zeugen!“
Der Diener unterbrach die wohlgemeinten Betrachtungen, über welche der Herzog nachgrübelte, und überreichte ihm auf einem silbernen Teller das gewünschte Käsebrot.
Eine Übelkeit überkam ihn; er hatte nicht den Mut, dieses Butterbrot zu essen, denn die krankhafte Überreizung seines Magens war vergangen. Ein Gefühl entsetzlicher Zerrüttung befiel ihn von neuem; er musste aufstehen. Die Sonne drehte sich und nahm nach und nach seinen Platz ein, die Hitze wurde noch drückender und lästiger. – „Werfen Sie das Butterbrot jenen Jungen hin,“ sagte der Herzog zu dem alten Diener, „mögen die sich darum schlagen; mögen sich die Schwächeren verkrüppeln und keinen Teil an den Leckerbissen haben; mögen sie obendrein von ihren Eltern tüchtig durchgeprügelt werden, wenn sie mit zerrissenen Hosen und blauen Augen nach Hause kommen; das wird ihnen einen Vorgeschmack von dem Leben, das ihrer wartet, geben!“
Mit diesen Worten ging er langsam seinem Hause zu und sank halb ohnmächtig auf einem Sessel nieder.
„Ich muss indessen versuchen, etwas zu essen,“ murmelte er, und er tunkte einen Zwieback in einen alten Constantia, von dem er noch einige Flaschen im Keller hatte.