Dieser Wein in der Farbe leicht angebrannter Zwiebelschale, die Mitte zwischen Malaga und Portwein haltend, doch mit einem besonders zuckrigen Bouquet und einem Nachgeschmack von Weintrauben hatte ihn oft gestärkt und manchmal sogar seinem durch gezwungenes Fasten geschwächten Magen neue Kraft eingeflösst. Aber diese Herzstärkung, sonst treu und zuverlässig, verfehlte heut ihre Wirkung.
Nun hoffte er, dass ein linderndes Mittel die glühenden Eisen, die ihm gleichsam den Magen zerrissen, vielleicht abkühlen würde, und er nahm seine Zuflucht zu dem Nalifka, einem russischen Likör in einer mattgolden glasierten Flasche. Aber dieser ölige und himbeerartige Saft war ebenfalls wirkungslos.
Leider! Die Zeit war fern, wo der Herzog sich noch einer guten Gesundheit erfreute, wo er in voller Hundstagshitze auf seinem Besitztum einen Schlitten bestieg und da, eingewickelt in Pelze, die er bis zur Brust hinaufzog, zu frösteln versuchte und sich sagte, indem er sich mit den Zähnen zu klappern bemühte: „Ah! dieser Wind ist eisig, man erfriert fast, man erstarrt wirklich!“ bis es ihm fast gelang, sich zu überzeugen, dass es recht bitterlich kalt sei!
Unglücklicherweise wirkten diese Mittel nicht mehr, seit seine Leiden thatsächlich überhandgenommen hatten.
Dabei blieb ihm nicht einmal die Zuflucht, zur Opiumtinktur zu greifen; denn anstatt ihn zu beruhigen, regte ihn dies schmerzstillende Mittel derartig auf, dass es ihm die Ruhe raubte.
Früher hatte er sich mit Opium und Haschisch Visionen erzeugen wollen, aber diese beiden Substanzen hatten Erbrechen und heftige nervöse Aufregungen herbeigeführt, er hatte sofort darauf verzichtet und ohne Hilfe dieser derben Reizmittel von seinem Gehirn allein verlangt, ihn weit von dem Leben ab ins Reich der Träume zu führen.
„Welch ein Tag!“ seufzte der Herzog, sich den Hals trocknend und fühlend, dass das, was ihm noch an Kräften geblieben war, sich in neuem Schweiss auflöste. Eine fieberhafte Erregung verhinderte ihn still zu sitzen. Von neuem irrte er durch alle Zimmer, alle Sitze nacheinander versuchend.
Des Kampfes müde sank er endlich vor seinem Schreibtisch nieder. Den Ellbogen auf die Platte gestützt, bewegte er mechanisch, ohne an etwas zu denken, einen Sternhöhenmesser, der anstatt eines Briefbeschwerers auf einem Haufen Bücher und Notizen stand.
Er hatte dieses Instrument aus graviertem, vergoldetem Kupfer, aus Deutschland stammend und im siebzehnten Jahrhundert gearbeitet, bei einem Trödler in Paris gekauft nach einem Besuch des Cluny-Museum, wo er lange in Entzücken vor einem wunderbaren Astrolabium aus geschnitztem Elfenbein gestanden hatte, dessen kabbalistische Art ihn geradezu bezauberte.
Dieser Briefbeschwerer rief einen ganzen Schwarm Erinnerungen in ihm wach. Der Anblick dieser Seltenheit liess ihn vergessen, wo er sich befand, seine Gedanken schweiften zurück zu dem Trödler in Paris, der ihm das Instrument verkauft hatte.