Gleich einem Totengeläute verfolgte ihn dieser verzweiflungsvolle Gesang, jetzt, wo er durch Fieber vernichtet darniederlag, von toller Angst erregt, die zu beschwichtigen ihm um so weniger gelang, als er deren Ursache nicht erkannte.

Er überliess sich schliesslich dem Spiel der Wellen. Des Kampfes müde, liess er sich von dem Strom der Angst hin und her werfen, der sich in klagenden Tönen durch seinen schmerzenden Kopf und stechende Schläfe ergoss.

Eines Morgens hörte aber dieses Singen und Klingen auf; der Herzog war wieder seiner mächtig und ersuchte den Diener, ihm einen Spiegel zu bringen. Vor Entsetzen glitt ihm dieser fast aus der Hand; er erkannte sich kaum wieder.

Sein Gesicht hatte eine Erdfarbe angenommen, die Lippen waren aufgedunsen und trocken, die Zunge welk, die Haut runzelig. Sein Haar und Bart, seit seiner Krankheit nicht geschnitten, erhöhten noch das Entsetzliche seines eingefallenen Gesichtes mit den hohlen, verschwommenen Augen, die im Fieberglanz in seinem borstigen Schädel brannten.

Mehr als seine Schwäche, als seine Erbrechungen, die jeden Versuch von Nahrung zurückwiesen, mehr als dieser Marasmus, in dem er steckte, erschreckte ihn diese Veränderung seines Äussern.

Er glaubte sich verloren; doch trotz der Ermattung, die ihn niederdrückte, richtete ihn die Energie eines gehetzten Menschen plötzlich auf und gab ihm die Kraft, einen Brief an seinen Arzt in Paris zu schreiben und seinem Diener zu befehlen, denselben auf der Stelle aufzusuchen und ihn um jeden Preis sofort herzuschaffen.

Sein vollständiges Sichgehenlassen ging in plötzliche Hoffnung über; denn dieser Arzt war ein berühmter Spezialist, ein Doktor, bekannt durch seine Kuren nervöser Krankheiten.

„Er hat sicher schon eigensinnigere und gefährlichere Fälle als den meinen behandelt,“ sagte sich der Herzog; „er wird mich zweifellos in einigen Tagen wieder auf die Beine bringen.“

Dann aber folgte diesem Vertrauen eine vollständige Hoffnungslosigkeit.

„So gelehrt, so geschickt sie auch sein mögen, von Nervenleiden verstehen die Ärzte nichts, ja sie kennen nicht einmal ihren Ursprung. Wie alle anderen wird auch dieser mir das ewige Zinkoxyd, Chinarinde, Bromkali und Baldrian verschreiben.“